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Fabian Müller

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Interview mit Fabian Müller

Fabian Müller

«Ich übe gerne nachts im Dunkeln, ohne das Licht einzuschalten. Die Stille klingt dann noch tiefer und die Musik intensiver. Im Lärm verliert jeder Ton an Wert.»

Fabian Müller zählt zu den herausragenden Pianisten seiner Generation. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er 2017 beim ARD-Musikwettbewerb in München, bei dem er fünf Preise gewann, darunter den Publikumspreis. Bereits 2013 wurde er beim Internationalen Ferruccio-Busoni-Klavierwettbewerb in Bozen mehrfach ausgezeichnet.

Seither gastiert Müller auf bedeutenden Bühnen wie der Carnegie Hall, der Elbphilharmonie und der Wigmore Hall. Auf Einladung von Daniel Barenboim führte er im Pierre Boulez Saal in Berlin sämtliche 32 Klaviersonaten Beethovens auf. Er arbeitet regelmässig mit renommierten Orchestern zusammen, darunter das Tonhalle-Orchester Zürich, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und das WDR Sinfonieorchester.

Ihre Interpretationen wirken oft sehr strukturbewusst und gleichzeitig frei – wie balancieren Sie analytisches Denken und Intuition beim Erarbeiten eines Stücks?
Ich glaube, dass die meiste Musik ähnliche Aspekte wie die Architektur hat. Natürlich verliert man sich am Ende gerne im Moment. Aber es gibt auch ein Verhältnis von Dimensionen, Abständen und Gewicht sowie Beziehungen zwischen Elementen und die Verarbeitung von Strukturen. Wenn man das alles integriert hat, ist man am Ende nicht gefesselt, sondern im Gegenteil viel freier und ausdrucksstärker.

Gibt es ein Werk, das Sie beim ersten Zugang völlig irritiert hat und das Sie sich erst erschliessen mussten?
Die Hammerklaviersonate von Beethoven ist immer noch jedes Mal wie das Eintauchen in eine fremde Galaxie. In den besten Momenten scheine ich sie im Eifer des Gefechts «verstanden» zu haben, aber kaum ist der Moment vorbei, ist sie mir wieder ein Rätsel.

Welche Rolle spielt Stille für Sie in der Musik – insbesondere in Übergängen oder nach Höhepunkten?
Ich übe gerne nachts im Dunkeln, ohne das Licht einzuschalten. Die Stille klingt dann noch tiefer und die Musik intensiver. Im Lärm verliert jeder Ton an Wert.

Wie entscheiden Sie, wann Sie sich strikt an den Notentext halten und wann Sie bewusst davon abweichen?
Ich weiche nur ungern von dem ab, was in den Noten steht. Aber ich glaube auch nicht an eine Reproduktion. Wenn jemand anderes mir aufträgt, «Ich liebe dich» zu sagen, kann ich am Ende doch nur meine eigene Version davon sagen – zumindest, wenn es glaubwürdig klingen soll.

Welche Komponisten empfinden Sie eher als «intellektuell» – und welche eher als «emotional»?
Da gibt es viele Missverständnisse. Bach ist für mich zum Beispiel viel emotionaler, als er häufig dargestellt wird. Auch viel zeitgenössische Musik, zum Beispiel von Ligeti und Kurtág, brennt vor Emotionalität. Und selbst die romantischsten Komponisten wie Brahms und Schumann haben etwas sehr «Intellektuelles» in dem Sinne, dass ihr Kompositionsprozess stark von gedanklicher Arbeit gesteuert wurde und man diese Arbeit auch nachempfinden kann.

Wie stellen Sie Ihre Programme zusammen – eher dramaturgisch konzipiert oder aus persönlicher Neugier heraus?
Immer sehr dramaturgisch, wie eine Geschichte. Wobei ich selbst häufig verblüfft bin, welche Stücke gut nacheinander passen. Das merkt man oft erst beim Ausprobieren. So wie beim Essen, wenn einem als Kind auf einmal auffällt, dass sich Erdbeeren und Schokolade gut kombinieren lassen, obwohl man das vorher nicht für möglich gehalten hat.

Gibt es ein Werk, das Sie derzeit besonders beschäftigt, das Sie jedoch noch nicht öffentlich aufführen würden?
Alles von Bach. Er ist eigentlich der wichtigste Komponist für mich, aber ich spiele ihn im Moment noch so gut wie nie öffentlich …

Gab es ein Konzert, bei dem etwas völlig Unerwartetes geschah und Ihre Interpretation beeinflusst hat?
Nein, im Konzert bekomme ich nichts von dem mit, was um mich herum passiert. Aber was in mir selbst geschieht, kann ich vorher nie sagen, und es können die magischsten Prozesse sein, die ich kenne.

Welche Musik hören Sie privat, die man vielleicht nicht erwarten würde?
Ich habe als Kind gerne Michael Jackson gehört und tue das immer noch.

Welche Leidenschaften verfolgen Sie neben der Musik?
Ich habe eine Familie mit kleinen Kindern. Den Grossteil meiner Zeit möchte ich mit diesen Menschen verbringen. Falls dann neben der Musik noch etwas übrig bleibt, treibe ich gerne Sport, der sich dann aber fast wie Meditation anfühlt!


Interview von Florian Schär | Classicpoint.net | 01.10.2026
Bild Copyright: Fabian Müller

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