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Giovanni Allevi im Interview

Maxim Vengerov

« Ich bin unangepasst. »

Giovanni Allevi ist einer der wichtigsten unberührten Komponisten in der heutigen internationalen Szene. Er ist Komponist, Dirigent und Pianist. Schnell wurde er zu einem gesellschaftlichen Phänomen, zu einem Enfant terrible, der die akademische Welt mit seinem außergewöhnlichen Talent und Charisma in Erstaunen versetzt hat. Allevi wurde von der Öffentlichkeit mit Begeisterung aufgenommen und vom Präsidenten der Republik, Giorgio Napolitano, Papst Franziskus und Papst Benedikt XVI., dem Nobelpreisträger Michail Gorbatschow und vielen anderen aus der Welt der Kunst und Kultur geschätzt. Für seine künstlerischen Verdienste wurde ihm 2012 der Titel Verdienstorden der Italienischen Republik verliehen. Es wurden viele Diplomarbeiten an italienischen Universitäten über ihn geschrieben, die den sozialen und kulturellen Wert seiner Arbeit bestätigen.

Im folgenden Interview spricht Allevi über seinen Kompositionsstil, dem nach ihm benannten Asteoriden und seine Zeit auf einer einsamen Insel im Atlantik.

Classicpoint.net: Was war Ihre erste Erfahrung mit klassischer Musik?
Mein Vater unterrichtete Klarinette, meine Mutter war Opernsopranistin auf Monteverdi spezialisiert. Als ich 4 Jahre alt war, hatten wir ein Klavier zuhause, dieses war jedoch abgeschlossen und ich durfte nicht darauf spielen. Eines Tages entdeckte ich dann das Versteck des Schlüssels...

Sie sind Komponist, Dirigent und Pianist. Wenn Sie sich für einen dieser Berufe entscheiden müssten, welchen würden Sie nehmen?
Eindeutig das Komponieren. Das Klavier und das Orchester ermöglichen es meiner Musik, mit der Welt in Berührung zu kommen. Was in meinem Leben aber wirklich zählt, ist das Schreiben neuer Musik.

Wie würden Sie Ihren Kompositionsstil beschreiben?
Technisch ist es eine Musik, die klassische Formen verwendet (Sonate, Konzert, Symphonie...) aber mit zeitgenössischen rhythmischen Inhalten arbeitet – klassische Musik der Gegenwart. Mein Stil hat es sogar zu einem Eintrag in ein Wörterbuch geschafft: "alleviano".

Sie distanzieren sich gezielt von den manchmal steifen Traditionen der klassischen Musik. Wie müsste sich die Klassik Ihrer Meinung nach entwickeln?
Wie es die Philosophie Hegels perfekt beschreibt: Kontinuität und Differenzierung. Die Kontinuität liegt in der Beibehaltung der gleichen Formen, die Differenzierung liegt darin, dass wir in ihnen die Harmonien, die Melodien und die Rhythmen der Welt um uns herum aufnehmen.

Seit 2016 haben Sie regelmässig viel Zeit auf einer einsamen Insel im Atlantik verbracht, um ungestört zu meditieren und Ihre mentale Balance wiederherzustellen. Was sind Ihre persönlichen Erkenntnisse und Erfahrungen aus Ihrer Meditation?
Es ist manchmal besser, das Gleichgewicht zu verlieren. In unserer von Konform geprägten Welt liegt der Keim der Zukunft in den Händen der Unverstandenen, der Ängstlichen, der auf sympathische Weise Gestörten.

Was bedeutet die Musik für Sie?
Die Musik ist mein Heil.

Wie könnte man Sie in einem Satz beschreiben?
Ich bin unangepasst.

Die NASA hat sogar einen Asteoriden nach Ihnen benannt: «111561 Giovanniallevi 2002 Ah3». Wie ist es dazu gekommen?
Wenn deine künstlerische Figur polarisiert, dann kommt es zum Widerstand der Traditionalisten, aber auch zum Enthusiasmus einiger Unterstützer.

Welches Ihrer zukünftigen Projekte liegen Ihnen am meisten am Herzen?
Eine religiöse Einrichtung hat gebeten, ein Oratorium für Chor und Orchester zu schreiben. Ich denke ernsthaft darüber nach, diese Reise der Seele in Richtung des Göttlichen anzutreten.


Interview von Florian Schär | Classicpoint.net | 3.02.2020
Fotografen: © MaxValerio | © AlbertoBevilacqua

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