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Tianwa Yang

Tianwa Yang im aktuellen Interview.

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Antje Weithaas im Interview

Antje Weithaas

«Das alles finde ich bei meiner Geige von Peter Greiner.»

Antje Weithaas gehört zu den gefragtesten Solistinnen und Kammermusikerinnen ihrer Generation. Sie ist künstlerische Leiterin der Camerata Bern, unterrichtet als Professorin an der Hanns Eisler Hochschule für Musik in Berlin und ist Mitgründerin des Streichquartetts Arcanto mit Daniel Sepec, Tabea Zimmermann und Jean-Guihen Queyras.

Classicpoint.ch: Sie haben Ihre musikalische Ausbildung an der Hanns Eisler Hochschule für Musik in Berlin bei Werner Scholz absolviert. Nun sind Sie selbst Professorin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Wie haben Sie diese Institution als Studentin erlebt und wie fühlt es sich nun als Professorin an?

Das ist für mich sehr schwer zu vergleichen. Studiert habe ich an der Musikhochschule Hanns Eisler zu DDR-Zeiten, in einem diktatorischen System. Die gedankliche Unfreiheit, den politischen Druck habe ich natürlich ständig gespürt. Glücklicherweise hatte ich aber musikalisch alle Freiheiten. Neben einer fantastischen Ausbildung wurde ich schon früh, auch durch die Hochschule, sehr gefördert, konnte mich in Konzerten „ausprobieren", wichtige künstlerische Erfahrungen sammeln. Es ist für mich natürlich wunderbar, heute an meiner "ehemaligen" Hochschule zu unterrichten. Die Hanns Eisler genießt inzwischen weltweit einen sehr guten Ruf als musikalische Ausbildungsstätte, das Kollegium ist international, das künstlerische Niveau sehr hoch. In der Streicherabteilung haben wir eine wunderbare Atmosphäre, und es macht einfach Spass, mit solch begabten Studenten zu arbeiten.

Sie spielen auf einem Instrument von Peter Greiner aus dem Jahr 2001. Würden Sie die Geige gegen eine Stradivari tauschen oder sagt Ihnen der Kult um alte Meisterviolinen nichts?
Für mich ist das Interessante an einem Instrument nicht das Alter oder der Name des Geigenbauers, sondern die Qualität des Klanges. Ich bin ja sozusagen auf der Suche nach "meinen Stimmbändern". Jeder Musiker spürt seiner persönlichen Klangvorstellung nach, sucht eine große Farbpalette und Wandlungsfähigkeit im Ton und natürlich einen Instrumentenklang, in dem er sich persönlich ausdrückt und der ihm aus der Seele spricht.
Das alles finde ich bei meiner Geige von Peter Greiner.

Sie haben zur Saison 2009/2010 die künstlerische Leitung der Camerata Bern übernommen. Wie sind Sie zur Camerata Bern gekommen?
Da hat der Zufall nachgeholfen. Vor einigen Jahren bin ich kurzfristig als Solistin und Leiterin für einen Kollegen bei der Camerata Bern „eingesprungen". Ich erinnere mich an eine tolle Atmosphäre in den Proben und an wunderbare Konzerte. Ein paar Monate später bekam ich dann einen Anruf, ob ich Interesse an der künstlerischen Leitung hätte. Sie können sich vorstellen, dass mich das sehr überrascht, aber auch sehr gefreut hat. Trotzdem habe ich mir die Anfrage lange durch den Kopf gehen lassen. Immerhin war die künstlerische Leitung eines Kammerorchesters gänzlich neu für mich. Heute sind wir in der vierten gemeinsamen Saison, und ich bin sehr glücklich, dass sich die Musiker der Camerata auf das "Abenteuer" mit mir eingelassen haben.

Was schätzen Sie an diesem Ensemble, wo sehen Sie die Stärken?
Ich erlebe das Ensemble fern von jeder falschen Routine, immer neugierig und mit einer großen Leidenschaft für die Musik. Da die Camerata ohne einen Dirigenten spielt, an den man die Verantwortung abgeben könnte, entsteht ein wirklich kammermusikalisches Musizieren, jeder einzelne bringt sich ein und ist als kreativer Musiker gefordert. Diese Art des Musizierenes ist meine Idealvorstellung, egal ob in der Kammermusik, als Solistin oder eben als Leiterin eines Kammerensembles. Ich glaube, inzwischen gibt es ein fast blindes Verstehen, eine große Freude am gemeinsamen Erarbeiten und Spielen schon während unserer Proben. Es entstehen sehr intensive, energiegeladene und spontane Aufführungen.

Was haben Sie für Visionen mit der Camerata Bern?
Wir sind immer auf der Suche nach spannenden Programmen für unser Publikum in Bern und für unsere überregionalen Konzerte und internationalen Tourneen. Ohne das Kernrepertoire für Streichorchester des 18. bis 20. Jahrhunderts zu vernachlässigen, möchte ich den begonnen Weg fortsetzen, auch sinfonische Werke, wie z.B. Beethoven-Sinfonien in einer kammermusikalisch transparenten Sichtweise dem Publikum zu präsentieren. Ein neuer Schwerpunkt des Ensembles ist seit letzter Saison die Beschäftigung mit Barockmusik auf den neuen historischen Instrumenten.
Außerdem gibt es ein erfreuliches Interesse, neue Werke für die Camerata Bern zu komponieren.

Mit Tabea Zimmermann, Daniel Sepec und Jean-Guihen Queyras haben Sie im Jahr 2002 das ARCANTO-Quartett gegründet. Wer von Ihnen hat damals die Initiative ergriffen?
Wir haben über viele Jahre in den unterschiedlichsten Besetzungen zusammen gespielt, hatten unglaublich viel Spaß daran und waren richtig gute Freunde. Da lag es irgendwann nahe, sich dem unglaublich schönen Streichquartettrepertoire gemeinsam zu widmen.

Sie sind alle 4 international ziemlich engagiert. Wie viel Zeit nehmen Sie sich für das Quartettspiel?
Im Moment spielen wir ungefähr vier Wochen im Jahr zusammen, was heißt, dass wir vier Phasen für Konzerte und CD-Aufnahmen über das Jahr verteilt planen.

Wie läuft es bei der Probenarbeit, übernimmt jemand den Lead oder sagt jeder spontan, was er gerne anders haben möchte?
Natürlich bringt sich jeder mit seinen Ideen ein. Wir sind ein richtig „demokratisches" Quartett und können uns auch über musikalische Interpretationsnuancen richtig „streiten". Im Ergebnis stellen wir dann aber oft fest, dass wir gar nicht weit auseinander liegen.

Wie lange war bis jetzt die längste Pause, in der Sie Ihre Geige nicht berührt haben?
In diesem Sommer z. B. habe ich endlich mal wieder eine richtige Pause von 4 Wochen eingelegt. Das war über einige Jahre nicht möglich. Aber meine Geige und ich haben sich schnell wiedergefunden und gleich in den ersten Konzerten wie gewohnt harmoniert.

 

Interview von Florian Schär | Classicpoint.ch | 7.10.2013
Bild: Marco Borggreve

 

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