Thomas Demenga im Interview

«Eine internationale Karriere ist von vielen Faktoren abhängig.»
Als international renommierter Solist, Komponist und Pädagoge gehört Thomas Demenga zu den herausragendsten Cellisten und Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit. Seit 1980 leitet er an der Musikhochschule Basel eine Ausbildungs- und Solistenklasse. Seit 2011 ist er künstlerischer Leiter der Camerata Zürich.
Sie haben unter anderem bei Antonio Janigro und Mstislav Rostropovich studiert. Wie haben Sie diese grossen Cellisten erlebt und was haben Sie von ihnen gelernt?
Von Antonio Janigro ein von Noblesse und grosser Musikalität geprägtes Spiel und die Tatsache, dass Musik und Cellotechnik miteinander verknüpft sind – es gilt also, Cellotechnik anhand von musikalischen Abläufen zu erwerben und nicht allein als solche. Von Rostropovich seine ungeheure Energie und der Wille, etwas auszudrücken. Dies immer gepaart mit Visionen oder Bildern, manchmal mit ganz alltäglichen Vergleichen. Rostropovich's Phänomenalität von ganz nahe miterleben zu können, war ein prägendes Erlebnins für mich.
Sie waren auch bei Leonhard Rose und lebten in dieser Zeit in New York. Inwiefern hat Sie diese Zeit geprägt?
Vor allem der Ort New York, mit seinem unwahrscheinlich reichen kulturellen Angebot und die Stadt als solche, das brodelnde Leben. Nicht so sehr die Juilliard School oder Leonard Rose (der sehr wenig da war...). Ich habe auch mit Nigel Kennedy in den Korridoren der Juilliard School mehr Frisbee gespielt als Cello geübt... Und wir haben zusammen auf den Strassen Manhattans Duos gespielt und ziemlich gut verdient dabei.
Sie setzen sich besonders intensiv mit neuer Musik auseinander und suchen auch oft die Gegenüberstellung zu anderen Zeitepochen. Bei Konzertprogrammen ist man solche Gegenüberstellungen gewohnt. Wie sind Sie dazu gekommen, dieses Konzept auch bei CD-Einspielungen, z.B. den Bach-Suiten, umzusetzen?
Damals war ich einer der ersten, der solche Soloprogramme aufführte – der Schritt zur CD-Aufnahme war dann ein kleiner – dazu brauchte es aber auch das passende Label. 1980 hatte ich das Glück, mit einer Improvisationsplatte bei ECM aufnehmen zu können: Cellorganics. Kurz darauf fragte ich Manfred Eicher, ob er nicht einmal in den klassischen Bereich vorstossen würde. Gidon Kremer und ich waren dann von den ersten klassischen Musikern die bei ECM New Series aufnahmen – und sind es bis heute geblieben.
Sie sind auch als Komponist tätig. Wie entsteht bei Ihnen eine neue Komposition?
Ich trage wochenlang Gedanken mit mir rum, bevor ich überhaupt daran denke, ein leeres Notenblatt auf den Schreibtisch zu legen. Wenn die Zeit reif geworden ist und ich dann endlich anfange, geht es manchmal recht schnell vorwärts – aber trotzdem bleibt Komponieren etwas sehr Zeitaufwändiges und es beschäftigt mich jeweils über Monate.
Seit 1980 leiten Sie eine Ausbildungs- und Solistenklasse an der Hochschule für Musik in Basel. Was ist Ihnen wichtig beim Unterrichten?
Den Studierenden zu helfen, nebst guten Cellisten, eigenständige Musikerpersönlichkeiten zu werden.
Die Musikhochschule Basel gilt für das Fach Cello als eine der Hochburgen in Europa. Sol Gabetta hat z.B. hier studiert und ihre Karriere lanciert. Wem trauen Sie als nächstes eine internationale Karriere zu?
Zum Beispiel meiner Studentin Sayaka Selina Studer. Eine internationale Karriere ist aber von sehr vielen Faktoren abhängig. Es reicht nicht, ein Superinstrumentalist zu sein. Dies ist nur die Voraussetzung, dass man überhaupt eine Chance dazu hat. Ein eiserner Wille, Durchhaltevermögen und tägliches intensives Arbeiten am Instrument sind nur einige davon. Letztendlich spielt auch das Glück eine grosse Rolle und last but not least die Bedürfnisse des Musikmarktes.
Arbeiten Sie mit der Schola Cantorum, die ja auch der Musikhochschule angegliedert ist, zusammen?
Nein, aber ich lasse mich gerne von ihr inspirieren.
Ihr Bruder Patrick Demenga hat ebenfalls eine grosse Karriere als Cellist gemacht. Sie spielen oft zusammen und haben auch gemeinsame CD-Einspielungen gemacht. War das auch in Ihrer Jugend so harmonisch oder gab es da manchmal Probleme?
Jede musikalische Arbeit birgt auch Auseinandersetzungen in sich – ich glaube nicht, dass es eine Rolle spielt, mit wem das ist. Je intensiver man arbeitet, desto grösser die Möglichkeit, sich nicht sofort einig zu sein. Dies ist eine Qualität – sie verhilft zu einer interessanteren Interpretation, als wenn man von Anfang an ein Herz und eine Seele ist. Am Schluss zählt das Resultat, welches öffentlich präsentiert wird – nur das ist wichtig.
Haben Sie sich eigentlich beide gleichzeitig für den Celloberuf entschieden?
Nein, ich bin acht Jahre älter als mein Bruder.
Sie haben zurzeit die künstlerische Leitung der Camerata Zürich. Was sind Ihre Visionen mit diesem Ensemble?
Ich möchte die Camerata Zürich aus dem Schatten des Zürcher Kammerorchesters holen – mehr Konzerte mit dem Orchester machen und witzige, farbenfrohe Programme entwerfen, die auch junge Leute anziehen.
Interview von Florian Schär | Classicpoint.ch | 04.06.2012
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