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Tianwa Yang

Tianwa Yang im aktuellen Interview.

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Martin Helmchen im Interview

Martin Helmchen

«Ich habe vor, mein Leben lang Unterricht zu nehmen.»

Unter den jungen Pianisten zeichnet sich Martin Helmchen durch Ausdrucksstärke, unprätentiöses Spiel sowie tiefe musikalische Gestaltung aus. Mit zwei „ECHO Klassik“-Auszeichnungen und dem „Credit Suisse Young Artist Award“ kann er bedeutende Preise der Musikszene vorweisen.

Classicpoint.ch: Ihre Eltern waren keine Musiker. Wie haben sie reagiert, als Sie bereits als Kind beschlossen haben, Pianist zu werden?
Sie waren wahrscheinlich eher verwundert, im Gegensatz zu manchen Musiker-Eltern, bei denen dann so etwas wie Erleichterung aufzukommen scheint… Ich habe aber immer grösste Unterstützung erlebt, ohne dass ein übermässiger Erwartungsdruck da gewesen wäre.

Sie sind auf das Bach-Gymnasium in Berlin gegangen und hatten dort den Schwerpunkt Instrumentalunterricht. Wie haben Sie Ihre Schulzeit erlebt?
Das war eine wertvolle Zeit geprägt von gegenseitiger Motivation und Bereicherung. Mit vielen meiner Schulkameraden habe ich auch heute noch, abgesehen von den Freundschaften, regelmässig professionell zu tun. Es gab wirklichen Freiraum, sich früh schon intensiv der Musik zu widmen, ermöglicht durch einen Schulplan, in dem allgemeinbildende Fächer und das Jung-Studenten-Programm aufeinander abgestimmt waren. Ein einmaliges Konzept dreier aus der DDR-Zeit „übrig gebliebener“ Spezialschulen für Musik, das es im deutschsprachigen Raum sonst so nicht gibt.

An dieser Schule wollen ja eigentlich alle Berufsmusiker werden. Gibt es Leute aus Ihrer Klasse oder der ganzen Schule, welche auch eine solistische Karriere erfolgreich gestalten konnten?
Von vielen meiner Klassenkameraden habe ich Inspiration und künstlerische Anstösse bekommen, die mich zum Teil dauerhaft geprägt haben, auch von denen, die keine „Solisten" geworden sind. Wichtige Freunde und gleichzeitig musikalische Einflüsse waren zum Beispiel der grossartige Pianist Jewgenij Sudbin sowie Dmitri Jurowski, der als Cellist begonnen hat und nun Dirigent ist wie der Rest seiner Familie.

Sie hatten 8 Jahre Unterricht bei Frau Hillenhagen Iwanzowa. War das die berühmt-berüchtigte russische Schule?
Wahrscheinlich schon und sicherlich das Gute davon! Man könnte nennen: sehr umfassende, weitreichende Klangvorstellungen bis in dynamisch Extreme, auch ein melodisches Klangideal vom Gesang her; ein natürliches, vielleicht ganzheitliches technisches Bewusstsein, das sehr athletisch werden kann, aber immer in völliger Einheit mit der Musik gedacht wird; lebhafte Bildersprache; grosse emotionale Tiefe, auch wenn das klischeehaft klingen mag.

Sie sind danach zu Arie Vardi gewechselt. Wie hat er sie geprägt?
Sehr nachhaltig, menschlich wie auch musikalisch. Er vermittelt eine Grosszügigkeit und Noblesse, die sowohl im persönlichen Umgang als auch in der Musik geradezu unwiderstehlich sind. Man bekommt Wertschätzung und Begeisterung sowohl für Musikwissenschaft als auch für die einfachsten Momente ur-musikalischen Glücks vermittelt. Dazu kommt dann ein enormer praktischer Erfahrungsschatz, was „Performance" und die Tücken des Künstlerlebens betrifft. Und er hat die Gabe, Musik zu erklären und Empfindungen und Einsichten auf eine Art zu teilen, dass meistens das Gefühl aufkommt, man habe hier die grösste Musik überhaupt vor sich (was ja beim Klavierrepertoire auch manchmal so ist).

Im Bereich der Kammermusik wurden Sie von Boris Pergamenschikow unterrichtet und haben dann ja auch mit ihm zusammen gespielt. Wie haben Sie ihn und das Musizieren mit ihm erlebt?
Pergamenschikow war, wie auch später Heinrich Schiff, ein ebenso wichtiger Mentor wie meine Klavierlehrer. Er war es, der die Liebe zur Kammermusik entfacht hat. Ohne ihn wäre ich ein ganz anderer Musiker, sicherlich mit wesentlich kleinerem Horizont. Das Proben im Unterricht mit seinen Studenten sowie später das gleichberechtigte Spiel mit ihm selbst waren unvergessliche Erlebnisse. Man begegnete in ihm eine Mischung aus menschlicher Wärme, Demut, Begeisterung und Professionalität, die ich nur als hohes Ideal beschreiben kann.

Sie unterrichten mittlerweile selbst als Associate Professor für Kammermusik an der Kronberg Academy. Was ist Ihnen beim Unterricht wichtig?
Vielleicht könnte man zusammenfassend sagen, Bewusstsein zu schaffen oder zu schärfen für Bedeutung und Ausdruck in der Musik, meine eigenen Fähigkeiten und Limitationen, aber auch immer für innere Motivationen. Warum tue ich etwas? Warum nutze ich dieses bestimmte musikalische Mittel hier und nicht dort? Und warum mache ich überhaupt Musik?

Nehmen Sie eigentlich selbst noch Unterricht?
Sehr regelmässig. Ich habe auch vor, das mein Leben lang beizubehalten. Auch eine Gewohnheit, die ich zuerst bei Boris Pergamenschikow gesehen habe.

Neben Ihrer solistischen Tätigkeit bedeutet Ihnen auch die Kammermusik sehr viel. Mit welchen Partnern spielen Sie besonders gerne zusammen und warum?
Mit Partnern, mit denen ich eine bestimmte Grundeinstellung der Musik gegenüber teilen kann. Ich glaube, die wichtigsten Schlagworte habe ich schon in der Beschreibung der Eigenschaften und Werte meiner Lehrer genannt. Ausserdem hatte ich stets das Glück, Kammermusik auch mit Partnern machen zu können, die weiter waren als ich und auf sehr natürliche Weise von ihnen zu lernen. Eine gewisse Spontaneität auf der Bühne ist auch noch etwas sehr Beglückendes.

Sie sind mit der Cellistin Marie-Elisabeth Hecker verheiratet und spielen auch mit ihr viele Kammermusikkonzerte. Demnächst treten Sie mit ihr am Verbier Festival auf. Wo liegen die Unterscheide, wenn Sie mit Ihrer Frau konzertieren?
Natürlich vor allem darin, dass wir uns in- und auswendig kennen, menschlich wie musikalisch, und ein grenzenloses Vertrauen da ist. Aber man muss sich auch als Ehepaar bewusst eine gewisse Professionalität bewahren, z.B. beim Proben. Sie war übrigens schon meine Lieblingsmusikerin, bevor es mit uns privat wurde.

Sie sind noch sehr jung. Welche Pläne und Visionen haben Sie für Ihre Zukunft?
Als Pianist hat man immer eine Unmenge an Repertoire, das man gern spielen möchte. Dafür reicht ein Leben kaum aus. Bach- und Schubert-Zyklen im Konzert sind mittelfristig Ziele, auf die ich hinarbeite. Und einfach ein besserer Vermittler zu werden  sowohl im modernen, auf den Konzertmarkt bezogenen, als auch im eher philosophischen oder spirituellen Wortsinn.



Interview von Florian Schär | Classicpoint.ch | 1.7.2014
© Foto: Marco Borggreve

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