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Interview mit Andre Schoch

André Schoch

«Ich denke, auch Social Media, YouTube und Streamings vergrößern den Druck auf die jungen Musiker:innen enorm.»

Der strahlende Klang und die Vielseitigkeit der Trompete haben Andre Schoch von Anfang an fasziniert. Im Alter von acht Jahren erhielt er von Ansgar Dümchen seinen ersten Trompetenunterricht. Von 2004 bis 2007 war er Jungstudent bei Reinhold Friedrich und Klaus Bräker an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Später studierte er bei Matthias Höfs an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, an der er auch von 2015 bis 2017 als Lehrender wirkte.

Schon in jungen Jahren sammelte er Orchestererfahrungen im Landesjugendorchester Baden-Württemberg, in der Jungen Deutschen Philharmonie sowie beim Schleswig-Holstein Musik Festival-Orchester. Sein erstes Engagement führte ihn zum Gewandhausorchester Leipzig. Dort war er von 2009 bis 2011 stellvertretender Solotrompeter, ehe er ein Stipendium an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker bekam, wo ihn Gábor Tarkövi unterrichtete. Die Zeit in dieser Institution empfand der Musiker als sehr wertvoll. »Den Stil und Klang des Orchesters zu erfahren und sich dem einzufügen, ist extrem erfüllend und motivierend.« Nach Stationen als Solotrompeter an der Deutschen Oper Berlin und beim Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, wurde Andre Schoch Mitglied der Berliner Philharmoniker.

Der mehrfache Preisträger renommierter Wettbewerbe engagiert sich auch kammermusikalisch. Er ist festes Mitglied des Ensembles 10forBrass und Gründungsmitglied des SchwarzGoldTrios. Außerdem wirkt er regelmäßig bei German Brass als Gast mit.

Sie haben soeben Ihr erstes Solo-Album eingespielt mit einem anspruchsvollen Repertoire barocker und frühklassischer Trompetenkonzerte. Diese Werke begleiten Sie bereits seit Ihrer Kindheit?
Ja, diese Werke begleiten mich schon sehr lange. Ich habe im Alter von 8 Jahren mit dem Trompetenspiel begonnen und mir als Kind zu Weihnachten und zum Geburtstag immer Aufnahmen berühmter Trompeter gewünscht. Damals schon hab ich genau diese Werke viel gehört und mir das Ziel gesetzt, diese auch mal spielen zu können. Eine große Motivation! Im Studium habe ich die Stücke dann tatsächlich zum ersten Mal gespielt und mehr und mehr meine eigene Interpretation gefunden.

Sie interpretieren die Werke auf modernen Piccolo-Trompeten der Bremer Firma Thein Brass, an deren Entwicklung Sie selbst beteiligt waren. Was ist speziell an diesen Instrumenten?
Diese Piccolo-Trompeten haben für mich einen besonders warmen, aber auch brillianten, sehr farbenreichen Klang. Außerdem ist die Qualität der Instrumente einzigartig, die Intonation ist sehr gut und das Spielgefühl sehr frei. Die Zusammenarbeit mit der Firma Thein liegt mir sehr am Herzen, da man als Künstler seine persönlichen Wünsche und Ideen einfließen lassen kann und diese mit großer Liebe zur Musik und zum Handwerk von Thein umgesetzt werden. So werden die Instrumente individuell a den jeweiligen Spieler angepasst.

Sie waren an der Deutschen Oper Berlin und beim Philharmonischen Staatsorchester Hamburg Solotrompeter und sind nun zweiter Trompeter bei den Berliner Philharmoniker. Wie haben Sie diesen Weechsel erlebt?
Zunächst einmal bin ich sehr dankbar, dass ich in verschiedenen Orchestern spielen und verschiedene Klangkörper erleben durfte, sowohl im symphonischen Bereich, wie auch in der Oper und im Ballett. Auch kann ich mich glücklich schätzen, dass ich sowohl Solopositionen als auch nun die zweite Trompeten-Postition erleben darf. Man hat natürlich eine andere Aufgabe: Als zweiter Trompeter muss man sich mehr anpassen und einordnen, wohingegen man als Solotrompeter die ganze Blechgruppe führen und in die Hand nehmen muss. Ich bin froh, beides zu kennen, denn so kann ich dies auch beim Unterrichten besser vermitteln.
Die Berliner Philharmoniker sind so ein grandioses Orchester, dass es sehr inspirierend ist, dort mitzuspielen, egal auf welcher Position.

Sie unterrichten auch, was sind die grössten Probleme Ihrer Student:innen?
Die Konkurrenz und das technische Niveau sind heute enorm hoch, und natürlich gibt es immer sehr viele Bewerber:innen für Probespiele bei Orchestern. Ich denke, auch Social Media, YouTube und Streamings vergrößern den Druck auf die jungen Musiker:innen im Vergleich zu früher enorm. Daher ist es umso wichtiger, dass die jungen Musiker:innen auch mental sehr gut vorbereitet und stabil und in allen Bereichen sehr breit aufgestellt sind. Ich versuche, sie als Lehrer dabei zu unterstützen, sie zu motivieren, weiterzuarbeiten und nicht aufzugeben, wenn mal etwas nicht gleich klappt wie erwartet.

Gibt es eigentlich ein bestimmter Typ Mensch, der am besten zur Trompete passt?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Die Liebe zum Instrument ist jedoch das Wichtigste. Und bei uns Trompetern gehört vielleicht ein gewisser Mut und eine gewisse Entschlossenheit dazu, wenn wir uns auf der Bühne präsentieren, da die Trompete ein sehr „ehrliches“ Instrument ist und hin und wieder mal der sogenannte berühmte „Kiekser“ passieren kann, den dann alle hören. Wichtig ist, zu lernen, sich dadurch nicht verunsichern zu lassen und es schnell abzuschütteln.

Sänger:innen sind ja bekanntlich immer bemüht darum ihre Stimme zu schonen und laufen teilweise permanent mit einem Schal rum. Was ist bei Trompeter:innen wichtig?
Bei uns Trompeter:innen ist es wichtig, dass wir unsere Lippen ein bisschen pflegen, das heißt, dass wir sie nicht austrocknen lassen, wenn es im Winter zum Beispiel sehr kalt draußen ist. Ansonsten ist es nur wichtig, ein bisschen auf seine Zähne aufzupassen, da die Zahnstellung für uns eine große Rolle spielt.

Gibt es besondere Moment Ihrer Karriere auf der Bühne, die Sie nie vergessen werden?
Ich habe einmal mit einem Blechbläserensemble in Madagaskar für Waisenkinder ein Konzert gespielt. Wie emotional und mit welcher Begeisterung diese Kinder auf Musik reagierten, habe ich so noch nicht erlebt. Das war äußerst berührend zu sehen und wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Wieviel üben Sie noch täglich?
Ich beschäftige mich täglich mehrere Stunden mit dem Instrument und mit Musik. Ich stoppe die Zeit nicht aber es sind sicherlich einige Stunden täglich…

Haben Sie weitere Projekte in der Zukunft?
Zunächst freue ich mich, wenn wir das Programm der CD noch mehr auf der Konzertbühne präsentieren können.
Außerdem habe ich regelmäßige Kammermusikprojekte, andere Projekte mit Orchester als Solist sowie auch mit Orgel.
Es sind auch einige Projekte geplant, Werke einiger fast vergessener Komponist:innen aufzunehmen, sowie Projekte mit zeitgenössischen Komponist:innen.

Welche Interessen haben Sie neben der Musik?
Neben der Musik genieße ich die Zeit mit meiner Familie, schaue gute Filme und liebe gutes Essen.


Interview von Florian Schär | Classicpoint.net | 01.12.2023
Photo: Yoél Culiner

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