Christoph Croisé im Interview

« Die Musik löst ein Gefühl der Freiheit in mir aus. »
Bereits mit 17 Jahren gab der Schweizer Cellist sein Debut in der Carnegie Hall New York, wo er seitdem regelmässig aufgetreten ist.
Weitere Auftritte führten ihn in renommierte Konzertsäle wie die Tonhalle Zürich, das Konzerthaus Wien, die Wigmore Hall London, die Residenz München, die Capella St. Petersburg, die Philharmonie St. Petersburg und die Philharmonie Baku.
Classicpoint.net: Warum haben Sie sich als Kind für das Cello als Instrument entschieden?
Im Alter von drei Jahren bekam ich eine sibirische Flöte mit der Form einer Keramikkuh geschenkt. Ich war begeistert und spielte die drei darauf möglichen Töne mit solcher Ausdauer und Inbrunst, dass meine Mutter mir nach einigen Wochen eine richtige Flöte überreichte. Diese wurde sofort mein ständiger Begleiter. Erst der Musikschullehrerin gelang es, meine Flöte in wenigen Wochen zum Schweigen zu bringen. Zu dieser Zeit liebte es meine ältere Schwester, mit mir als Geigenschüler Geigenunterricht zu spielen. Alles machte riesigen Spass, bis auf das Stehen, das war mir einfach zu anstrengend. Ich brauchte unbedingt ein Instrument, bei dem ich sitzen konnte. Die Auswahl zwischen Klavier oder Cello war schnell entschieden, da man mit dem Klavier nicht im Orchester spielen kann.
Welches sind Ihre frühesten Erinnerungen an Musikerfahrungen, welche Sie geprägt haben?
Die Freude am Musizieren war von den ersten Musiktönen an da und hat mich zum Glück nie verlassen. Die Musik löst ein Gefühl der Freiheit in mir aus.
Wann haben Sie sich entschieden, die Musik zum Beruf zu machen?
Nach exakt 4 Monaten Cellounterricht mit 7 Jahren. Ich durfte am Klassenvorspiel zwei kurze Stücke vortragen und war natürlich extrem aufgeregt. Auf der Bühne fühlte ich mich aber sofort wohler und genoss das Musizieren vor Publikum sehr. Nach dem Vortrag wollte ich möglichst bald wieder auftreten. Damit begann mein Traum, Cellist zu werden.
Sie haben an vielen Wettbewerben gespielt und auch viele Preise gewonnen. Was bedeuten Wettbewerbe für Sie?
Wettbewerbe bedeuten für mich eine grosse Motivation, sich vorzubereiten und zu versuchen, das Beste aus sich herauszuholen. Ich finde auch jedes Mal spannend, ein neues, für den Wettbewerb geschriebenes Stück in kurzer Zeit einzustudieren. Man übt sich im schnellen exzessiven Lernen und mit emotionalem Druck umzugehen.
Spielen Sie bei Wettbewerben anders als bei einem Konzert?
Ich versuche, sowohl bei Wettbewerben als auch bei Konzerten alles zu geben. Beim Wettbewerb ist der Druck grösser, da man weiss, man wird kritisch beurteilt. Mit der Zeit gelingt es mir eher, diese Gedanken auszublenden.
Sie sind noch sehr jung. Was sind Ihre Träume und Visionen?
Mein Ziel ist es, meine eigenen Projekte durchführen zu können und nicht zu vergessen, dass es ein riesengrosses Privileg ist, jeden Tag das machen zu dürfen, was ich liebe – Musik.
Welche Künstler haben Sie am meisten geprägt?
Alexander Neustroev, mein Cellolehrer aus Zürich, bei welchem ich mit 13 Jahren angefangen habe Unterricht zu nehmen, hat mich musikalisch erzogen. Von ihm kommt meine Sichtweise beim Musizieren: Mit dem Cello eine Geschichte zu erzählen, welche das Publikum berührt. Weitere wichtige Impulse bekam ich durch Wolfgang-Emanuel Schmid – vor allem habe ich bei ihm gelernt, eine breitere Klangproduktion zu gestalten, vom Dirigenten und Cellisten Michael Sanderling Exaktheit beim Musizieren mit Orchester und von Steven Isserlis Phrasierung, musikalische Gestaltung und inspiriertes, natürliches Musizieren.
Gibt es eine Musik-Stilrichtung, die Sie besonders fasziniert?
Da ich doch noch sehr jung bin, ist es für mich natürlich, die Gattungen immer (neu) zu entdecken. Ich versuche, in alle Richtungen zu gehen und mich in die jeweilige Musik ganz hineinzuleben. Durch diese Vertiefung kommt die wahre Freude und natürliche Herausforderung zum Vorschein. Letztes Jahr war eine intensive Phase mit Klassik dabei, in der die CD-Aufnahme beider Haydn-Konzerte entstand, welche Ende dieses Jahres auf den Markt kommt. Im Februar/März 2018 hatte ich das Glück, mich mit Othmar Schoecks’ Cellokonzert auseinandersetzen zu dürfen, welches mit der CD-Aufnahme den Höhepunkt erreichte. Dieses Jahr sind viele romantische und einige zeitgenössische Werke dabei.
Haben Sie Vorbilder?
Ich bin extrem inspiriert von allen grossartigen Künstlern, nicht nur klassischen Musikern und nicht nur Musikern sondern auch Malern, Architekten, Schriftstellern und genialen Künstlern, die leben und gelebt haben. Die Liste ist zu lang, um Namen zu nennen. Speziell auch bei den jungen Cellisten heute gibt es viele fantastische Musiker, welche mich beeindrucken, inspirieren und begeistern. Ich versuche natürlich nicht zu imitieren, da wäre kein Sinn mehr in dem, was ich aussagen möchte.
Was interessiert Sie neben der Musik?
Mich interessiert, was auf der Welt passiert, in welche Richtung wir uns bewegen, warum wir überhaupt hier sind, was wir daraus machen können; wie man jeden Tag die eigenen Ziele verfehlt und es am nächsten Tag versucht, besser zu machen und zu versuchen, das Geschenk das wir mit dem Leben bekommen haben, dankbar und demütig wahrzunehmen.
Ich lese sehr gerne, spiele Schach, verbringe Zeit in der Natur, schaue nachts die Sterne im Universum an und schlafe extrem gerne, fahre aber auch sehr gerne Ski, Auto und fliege gerne.
Interview von Florian Schär | Classicpoint.net | 1.8.2018
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