Simone Kermes im Interview

«Es ist wie eine kleine Zirkusnummer.»
Die deutsche Sopranistin Simone Kermes wird von den Medien auch Königin der Barockmusik genannt. Ihre leidenschaftlichen, mit Emotionen und Provokationen gespickten Aufführungen haben sie mittlerweile zu einem Weltstar gemacht.
Classicpoint.ch: Wie sind Sie zum Gesang gekommen?
Ich bin als 8-Jährige dauernd in die Bibliothek gegangen. Dort habe ich mir auch Schallplatten ausgeliehen und beim Hören habe ich einfach mitgesungen, wenn es mir gefallen hat. Es war fast nur Oper von Mozart bis Wagner.
Sie hatten erst eine Ausbildung zur Sekretärin gemacht. Als Sie dann Gesang studieren wollten, hatte man Ihnen empfohlen, es mit dem Schauspiel zu versuchen. Was war ausschlaggebend, dass Sie immer an sich geglaubt haben und den Erfolg bekommen haben?
Ich war und bin einfach für die Musik entflammt. Es ist meine Leidenschaft. Ich könnte jetzt nicht mehr ohne die Musik leben. Es hat mich niemand gezwungen. Es ist alles aus mir selbst entstanden. Wenn man für die Musik brennt, kann es klappen, dass der Traum zur Wirklichkeit wird.
Man nennt Sie auch Popsängerin der Barockmusik. Was mögen Sie an der Barockmusik besonders?
Alles! Den Rhythmus, die Melodie, die Herausforderung zur stimmtechnischen Bewältigung. Ich sehe einen Bezug zu unserer heutigen Popmusik, BA ROCK ist ähnlich.
Haben Sie überhaupt noch Lust, andere Musik als Barockmusik zu singen?
Ich singe nicht nur Barockmusik. Mein Repertoire reicht vom Frühbarock bis zur Gegenwart. Nur nimmt die Barockmusik bei mir einen großen Stellenwert ein, weil sie so "modern" zu interpretieren ist. Meine letzte CD ist übrigens eine BELCANTO CD mit Werken von Mozart bis frühen Verdi eingeschlossen, Rossini Donizetti, Bellini und Mercadante. Am Ende gibt es auch noch einen Monteverdi...
Was bedeuten für Sie persönlich die Koloraturen?
Koloraturen sind Spass, Ausdruck von Feuer, Leidenschaft und Virtuosität. Es ist wie eine kleine Zirkusnummer, in solch einem Moment mit tiefem Ausdruck extreme Gefühle in höchster technischer Perfektion über die Rampe zu bringen.
Früher wollten Sie unbedingt ans Theater, um Opern zu singen, heute möchten Sie das nicht mehr, warum?
Ich war am Theater und bin immer wieder am Theater. An Silvester habe ich in Köln die Fledermaus – Rosalinde gesungen, die ich schon oft auf verschiedenen Bühnen interpretiert habe, danach war ich am Theater in Wien, an der Opera comique in Paris und in New York mit einer szenischen Produktion (Rameau - Plathee - Folie...). Letztes Jahr habe ich für die Fiordiligi in Così fan tutte zusammen mit der gesamten Opernproduktion in Moskau die goldene Maske bekommen. Es ist nicht wahr, dass ich keine Oper singe ... im Gegenteil. Es muss nur passen.
Sie sind bemüht, noch nicht aufgeführte Musik aus der Barockzeit zu finden und diese zum Leben zu erwecken. Was war für Sie bis jetzt die interessanteste Entdeckung?
Das kann ich so nicht sagen. Wenn Sie sich alle CDs anschauen von Lava, Colori d'amore, Dramma und auch Belcanto, sind alle Stücke irgendwie toll. Ich versuche ja immer, die schönste Musik zu suchen und den Menschen zu geben. Schlechte Stücke mache ich nicht. Und diese gibt es natürlich auch.
Von welchem Komponisten würden Sie gerne noch ein unentdecktes Meisterwerk finden?
Vielleicht von Mozart, Händel, Purcell oder auch Bernstein? Egal, Hauptsache es ist schön, anspruchsvoll und vorallem berührend...
Als Sängerin ist Ihr Körper das Instrument. Achten Sie besonders auf Ihren Körper?
Ja, natürlich passt man auf, dass man am Vorabend einer Vorstellung oder eines Konzerts nicht zu viel Alkohol trinkt, vernünftig ist und vorallem gut schläft. Aber trotzdem muss man noch leben, neben dem Singen. Das vergessen viele. Auch mit dem Essen sollte man etwas aufpassen, dass man nicht zu dick wird. Es sieht einfach nicht gut aus auf der Bühne. Heutzutage wollen die Regisseure dich wie ein Model anziehen. Dazu kommen die Fernsehübertragungen, da sieht man sowieso drei Mal dicker aus. Also ein wenig auf sein Gewicht zu achten ist schon nicht schlecht. Die Idee, dass man viel Masse braucht um toll zu singen ist totaler Quatsch.
Haben Sie Zukunftspläne oder Wünsche?
Ich wünsche mir, dass ich sowohl körperlich wie auch geistig gesund bleibe, stets inspiriert bin, tolle Musiker und Menschen treffen kann und offen bleibe für neue Wege. Dabei möchte ich meine reine Seele und meine Ehrlichkeit behalten können. Ich möchte mich akzeptieren wie ich bin, um authentisch sein zu können. Ich möchte mich stets weiterentwickeln und der Gesellschaft etwas geben, mit anderen zusammen erleben, teilen, lieben und den Moment geniessen!
Interview von Florian Schär | Classicpoint.ch | 3.2.2014
Bild: Gregor Hohenberg
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