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Tianwa Yang

Tianwa Yang im aktuellen Interview.

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Chen Reiss im Interview

¨Chen Reiss

« Der schwierigste Schritt beim Lernen einer neuen Rolle ist der erste Ton. »

Die israelische Sopranistin Chen Reiss wuchs in Cholon und Herzliya auf und begann ihre Gesangsausbildung mit vierzehn Jahren. Ihren Militärdienst leistete sie als Solosängerin im Orchester der Zahal ab. Sie setzte ihre Ausbildung in New York fort und debütierte im Jahr 2000 als Mademoiselle Silberklang in Mozarts Der Schauspieldirektor beim „World Bank Mozart Festival“. 2002 hatte sie ihr Debüt an der Bayerischen Staatsoper und sang im November des Jahres in Carnegie Hall in Gustav Mahlers 8. Sinfonie. Sie wurde an die Wiener Staatsoper engagiert und hat seither an den großen internationalen Opernhäusern und Konzerthäusern gesungen.

Classicpoint.net: Sie haben Ihren Militärdienst als Solosängerin im Orchester der Zahal geleistet und so Ihre Karriere gestartet. Können Sie uns etwas darüber erzählen?
Ja, ich habe dort alles gesungen, von Opernarien über Chansons von Edith Piaf bis hin zu israelischer Popmusik. Die ersten drei Wochen waren die schwierigsten, wegen der Grundschulung. Ich habe gelernt, mit drei verschiedenen Waffen zu schießen, habe sehr wenig geschlafen, musste viel Sport machen, die Küche putzen, die Kaserne bewachen und eine Gasmaske in acht Sekunden anziehen können. Das ist aber die beste Schule fürs Leben, finde ich.

Was fasziniert Sie am Gesang, was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Wenn es um die Stimme geht, gibt es keinen langweiligen Moment. Jeder Tag, jede Rolle, sogar einfache Lieder können manchmal Herausforderungen darstellen. Manchmal musikalische, manchmal dramatische, manchmal technische. Oft alle drei. Ich darf nichts als selbstverständlich hinnehmen; manchmal denkt man sich, ja, jetzt habe ich alles verstanden und habe alles unter Kontrolle und dann kann es plötzlich schiefgehen. Wir sind Künstler, keine Techniker, und müssen jeden Tag etwas frisches und neues erschaffen. Es hält mich auf Trab, das finde ich faszinierend. Man muss einfach üben, üben, üben, ständig lernen, und wenn dann auf der Bühne alles mühelos klappt, dieses Gefühl ist einfach eine große Freude und ein Genuss. Seele und Körper werden eins, das liebe ich am meisten.

Was sind Ihre größten Herausforderungen?
Es gibt sehr viele Herausforderungen. Die Kunst des Singens zu lernen und diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln erfordert Jahre harter Arbeit, und das endet eigentlich nie. Das ist die technische Seite. Man muss viele neue Rollen und Stücke lernen, gewisse sind musikalisch anspruchsvoll, andere dramatisch und all dies muss je nachdem unter Zeitdruck geschehen. Dann ist da natürlich die Konkurrenz, es gibt sehr viele großartige Sängerinnen und Sänger. Zudem muss man auch noch immer fit und gesund sein. Ich finde es auch schwierig, die Familie mit einem Beruf zu vereinbaren, der so einen großen physischen und psychischen Einsatz fordert und bei dem man so viel reisen muss. Ich bin Mutter von zwei kleinen Kindern und Ehefrau und sowohl meine Familie und Freunde als auch die Theater und Orchester haben Erwartungen an mich. Da bleibt sehr wenig Zeit für mich selbst. Aber ich möchte mich nicht beklagen, ich bin sehr glücklich, alles zu haben.

Wie gehen Sie bei der Einstudierung einer neuen Opernrolle vor?
Der schwierigste Schritt beim Lernen einer neuen Rolle ist der erste Ton. Den Mut zu haben die Partitur zu öffnen und bei null anzufangen. Ich bin immer etwas nervös, bevor ich eine neue Rolle lerne, aber sobald man drin ist, ist es wie Fahrrad fahren, ich habe die nötigen Lernfähigkeiten.

Sie haben mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle den Soundtrack für den Film „Das Parfüm“ eingespielt. Wie war die Zusammenarbeit?
Das Orchester hatte die Musik bereits aufgenommen und ich habe danach dazu gesungen. Der wunderschöne Klang des Orchesters hat mich sehr inspiriert und der Regisseur hatte eine klare Vorstellung davon, welchen Klang er gerne von mir hätte. Ich liebe diesen Soundtrack, ich finde ihn sehr schön und passend zum Film.

Sie haben auch an der Weihnachtsmesse im Petersdom vor dem Papst gesungen. Wie war dieses Erlebnis für Sie?
Für den Papst zu singen war aus mehreren Gründen ein Highlight. Das „Et incarnatus est“ der c-Moll-Messe ist meiner Meinung nach eine der schönsten und bewegendsten Arien, die Mozart je geschrieben hat. Papst Franziskus zu treffen war ein sehr spezielles und inspirierendes Ereignis. Man fühlt, dass man in der Anwesenheit eines großartigen Mannes ist, der warm, gütig und fürsorglich ist. Er hat mir einen langen, aufmerksamen und sehr persönlichen Brief geschrieben. Ich war natürlich schon sehr aufgeregt und nervös, in der Kirche und mittels Live-Übertragung vor Millionen von Menschen zu singen, aber ich wusste, dass Gott mich nicht im Stich lassen würde, vor allem nicht in diesem Moment.

Sie sind Israelin, wohnen aber nicht mehr in Israel. Wie ist Ihre Verbindung zur Heimat, interessieren Sie sich auch für die politische Entwicklung in Ihrem Land?
Leider bin ich gar nicht zufrieden mit der politischen Entwicklung in Israel. Ich bin auch sehr pessimistisch, was die Zukunft des Landes betrifft. Es gibt sehr viel Korruption, sehr viele soziale Probleme, Angst und Misstrauen. Das führt dazu, dass die Leute meiner Meinung nach die falschen Kandidaten wählen.

Was sind Ihre aktuellen Projekte?
Momentan beschäftige ich mich vor allem mit der Rolle der Ginevra in Händels Ariodante. Es ist eine neue Rolle für mich, eine lange Rolle und dramatisch sowie musikalisch anspruchsvoll. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Sir David McVicar und Maestro William Christie. Gleichzeitig bereite ich Orchesterlieder von Richard Strauss vor, die ich in London zum ersten Mal singen werde. Zwei sehr unterschiedliche Stile also, die ich fast mit zwei verschiedenen Stimmen singen muss. Bei Händel gibt es viele schnelle Koloraturen, man muss sehr präzise singen und schnell reagieren; bei Strauss sind es lange Bögen, lange Verse und man muss in die Harmonien sinken und mit dem Orchester verschmelzen. Es ist ein völlig anderer Gebrauch von Sprache. Wie ich sagte, keine langweiligen Momente, aber viel Auswendiglernen.

Welche Rollen, die Sie noch nicht gesungen haben, möchten Sie unbedingt einmal singen?
Einige meiner Traumrollen wären zum Beispiel Konstanze (Entführung aus dem Serail), Amina (La Sonnambula) und Giulietta (I Capuletti), um nur ein paar wenige zu nennen.


Interview von Florian Schär | Classicpoint.net | 1.3.2018

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