Arabella Steinbacher im Interview

«Im Musikbetrieb geht es leider nicht nur um die Musik.»
Arabella Steinbacher wurde am 14. November 1981 in München als Tochter einer Japanerin und des Musikprofessors Alexander Steinbacher geboren. Im Alter von drei Jahren bekam sie Geigenunterricht, mit neun Jahren erhielt sie ein Stipendium an der Hochschule für Musik München bei Ana Chumachenco, die ihr außergewöhnliches Talent erkannte und förderte. Mittlerweile ist Arabella Steinbacher der internationale Durchbruch gelungen und sie zählt zu den profiliertesten deutschen Geigerinnen ihrer Generation.
Classicpoint.ch: Sie sind in Deutschland aufgewachsen. Ihre Mutter ist Japanerin. Wie ist Ihr Bezug zu Japan?
Japan ist für mich meine halbe Heimat und jedes Mal wenn ich dort bin, die Sprache höre, die Luft einatme, kommen ganz viele Kindheitserinnerungen wieder. Ich habe fast jeden Sommer bei meinen Großeltern in Tokyo verbracht. Inzwischen reise ich nur noch dorthin, um zu konzertieren, aber dieses Gefühl, nach Hause zu kommen, ist immer geblieben.
Wo sehen Sie die Hauptunterschiede bei Interpretationen klassischer Musik zwischen Europa und Japan?
Die Japaner verehren die westlichen Komponisten sehr, viele japanische Musiker gehen deshalb nach Deutschland, um zu studieren und sich von unserer Kultur inspirieren zu lassen. Auch wenn japanische Musiker unsere Tradition nicht wie die Muttermilch mitbekommen haben, spüre ich trotzdem ihre Leidenschaft für die europäische Musik.
Sie machen viel Yoga und meditieren. Inwiefern wirkt sich das auf Ihr Violinspiel aus?
Vor meinen Auftritten ist es mir sehr wichtig, mich zurückzuziehen und mich durch Meditation und Atemübungen auf meinen Auftritt zu fokussieren und mich von allen äußeren Einflüssen zu befreien. Dadurch fühle ich mich der Musik näher.
Üben Sie immer im Schneidersitz?
Ja, diese Art zu üben habe ich von Ivry Gitlis gelernt. In den Hotels suche ich mir grundsätzlich erstmal ein gemütliches Plätzchen auf dem Boden zum Üben und stütze meine Geige auf einem Stuhl ab. Das ist die entspannendste Methode, um möglichst locker zu spielen.
Sie schliessen beim Konzertieren oft die Augen über längere Zeit. Nehmen Sie das Publikum noch war, oder versuchen Sie sich in einer gewissen Form auch davon abzukapseln?
Abkapseln ist vielleicht nicht ganz richtig ... ich versuche eher, mich von Äußerlichkeiten zu befreien, die mich von der Musik ablenken könnten, aber das Publikum nehme ich als Energie wahr und beziehe es auch in mein Spiel mit ein. Es gibt mir sehr viel zurück, und das ist wie ein Geben und Nehmen.
Sie haben mit der Suzuki-Methode das Geigenspiel gelernt. Ihr Vater hat Ihnen jeweils auf dem Klavier vorgespielt, und Sie haben es nachgespielt. Erst viel später haben Sie Noten lesen gelernt. Würden Sie diesen Weg auch heute noch empfehlen?
Für mich war es sehr hilfreich, nach dem Gehör zu lernen und ehrlich gesagt lerne ich noch heute so am schnellsten, wobei ich gleichzeitig ein optisches Gedächtnis habe. Was ich an der Suzuki-Methode sehr schätze, ist die spielerische Art, wie die Kinder Instrumente lernen, wie zum Beispiel durch Gruppenunterricht mit Gleichaltrigen. Das Wichtigste in dem Alter ist, dass es Spaß macht zu musizieren, sonst hört man ziemlich bald wieder damit auf.
Sie haben keinen grossen Wettbewerb gewonnen. Wann war für Sie persönlich der Durchbruch für die Solokarriere?
Seit meinem 8. Lebensjahr hatte ich die Möglichkeit, regelmäßig aufzutreten und mein Repertoire vor Publikum auszuprobieren, zuerst im kleinen Rahmen mit Studentenorchestern und später immer mehr mit bekannteren Orchestern. Dadurch wurde ich von vielen Leuten gehört, die mir wiederum neue Kontakte zu Veranstaltern, Agenten und Dirigenten ermöglichten, was ein großes Glück für mich war. Wettbewerbe sind vor allem dann sehr hilfreich, wenn man diese Auftrittmöglichkeiten nicht hat.
Sie sind sehr viel unterwegs, auch viel alleine. Was vermissen Sie bei einer Tournee von zuhause am meisten?
Meine Familie und Freunde vermisse ich natürlich am meisten, aber inzwischen sind viele Freunde auf der ganzen Welt verteilt. Ansonsten versuche ich, in meinen Koffer ein Stück Heimat hineinzupacken, Kleinigkeiten wie mein Tagebuch oder meine Yogamatte.
Wo holen Sie sich den Ausgleich zur Klassikwelt?
Ich liebe Jazz und wenn ich auf Konzertreisen bin, schaue ich immer, was dort gerade für Jazzkonzerte stattfinden.
Wie stehen Sie zur historischen Aufführungspraxis?
Solange etwas ehrlich und authentisch interpretiert ist, überzeugt es mich, nur wenn es künstlich wirkt, habe ich Schwierigkeiten damit.
Ist eine feste Unterrichtsstelle für Sie ein Thema?
Eines Tages möchte ich auf jeden Fall meine Erfahrungen an junge talentierte Musiker weitergeben. Es gibt viele Aspekte neben dem Geigenspiel, worauf man junge Musiker vorbereiten und wovor man sie beschützen muss. Im Musikbetrieb geht es leider nicht nur um die Musik und dafür braucht man starke Nerven und Menschen, denen man vertraut und die einen auf diesem Weg begleiten.
Interview von Florian Schär | Classicpoint.ch | 2.02.2015
Foto: Robert Vano
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