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Tianwa Yang

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Patrick Demenga im Interview

Patrick Demenga

« Feu sacré! ist für mich eine Lebenshaltung. »

Der 1962 geborene Musiker studierte am Konservatorium Bern, bei Boris Pergamenschikow in Köln und bei Harvey Shapiro in New York. Mehrere Preise dokumentieren den Beginn seiner Karriere und heute zählt er international zu den renommiertesten Cellisten. Als Solist und Kammermusiker tritt er regelmässig an den grossen Festivals und in bekannten Musikzentren auf und arbeitet mit namhaften Musikerpersönlichkeiten (wie Heinz Holliger, Mario Venzago, Dennis Russel Davies u.v.m.) und Orchestern (wie Tonhalle Orchester Zürich, RSO Wien, Camerata Bern, Münchner Kammerorchester, Orchestre de la Suisse Romande u.v.a.) zusammen. Zahlreiche Radio- und Fernsehaufnahmen sowie Schallplatten- und CD-Einspielungen haben ihn einem internationalen Publikum bekannt gemacht. Patrick Demenga leitet eine Konzertausbildungsklasse am Conservatoire de Lausanne und unterrichtet verschiedene internationalen Meisterkursen.

Im folgenden Interview spricht Patrick Demenga über die Musikfestwoche Meiringen, seinen Bruder Thomas Demenga und die Zeit als Musikdozent während des Lockdowns.

Classicpoint.net: Sie sind künstlerischer Leiter der Musikfestwoche Meiringen, welche als eines der wenigen Festivals diesen Sommer stattfinden. Wie konnten Sie die Durchführbarkeit sicherstellen?
Wir haben fest daran geglaubt, dass es Öffnungen geben wird. Wir haben aber immer wieder mit unseren Musiker/innen Kontakt aufgenommen, um die Situation zu analysieren und sie waren alle so dafür und bereit zu kommen, dass es uns Mut gemacht hat, auszuhalten. Selbstverständlich mussten wir ein Schutzkonzept entwickeln, welches wir nun bereits wieder überarbeiten. Wir arbeiten mit Abständen zwischen den Gruppen und Contact-Tracing, so wie Masken, die zur Verfügung stehen.

Was ist das Thema des diesjährigen Festivals und wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?
Feu sacré! Das heisst für eine Sache brennen, etwas leidenschaftlich auszuüben. Das ist für mich eine Lebenshaltung und etwas, das mich ständig auch ausserhalb der Musik begleitet. Ich finde jede Minute schade, bei der ich etwas ohne Leidenschaft tue. Wenn beispielsweise ein Koch mit feu sacré ein Menu zubereitet, so wird es den Gast erfreuen. So ist es eben auch in der Musik. Ich trage dieses Thema schon lange mit mir herum und zum 60. Jubiläum scheint es richtig passend. Ohne feu sacré von vielen Menschen hätte ein solches Festival nicht so lange überlebt. Und es lebt immer besser und hat sich gut entwickelt.

Wie haben Sie persönlich diese Corona-Lockdown-Zeit erlebt?
Ich hatte das Gefühl, dass der Planet einmal tief ein und ausgeatmet hat. In meinem Leben hat sich durch den Lockdown alles sehr verlangsamt. Alle Konzerte wurden abgesagt, keine Reisen mehr. Ich habe die Zeit als erholend empfunden. Hatte viel Zeit für mich und meine Familie. Ich hatte das Glück, gesund geblieben zu sein. Ich war aber auch weit weg von der Kultur, was vielleicht auch erholsam war.

Sie leiten eine Konzertausbildungsklasse in Lausanne. Wie haben Sie in dieser Zeit die Studenten begleitet und unterrichtet?
Ich habe weiterhin unterrichtet. Allerdings hat der Unterricht online stattgefunden. Die Hochschule war ja für den Präsenzunterricht geschlossen. Online Musik zu unterrichten stellte besondere Anforderungen: Meine Studenten kommen großenteils aus dem Ausland, die Internetverbindung war oft schlecht und die Studenten fühlten sich sehr einsam beim Üben. Sie schickten Videos aus ihren Zimmern, wo sie übten, das war natürlich klanglich nicht wirklich einfach.

Sie interessieren sich für die Gegenüberstellung grosser Komponisten – grosser Werke mit Zeitgenössischer Musik. Worin sehen Sie den Reiz dieser musikalischen Auseinandersetzung?
Jede Zeit hat ihre ganz eigene Klangsprache und diese Sprachen verstehen zu lernen und die Botschaften und Emotionen zu entdecken hat mich immer fasziniert. Oft findet man die gleichen archetypischen Gefühle, aber eben mit völlig unterschiedlichen Ausdrucksmitteln. Neue Musik öffnet die Ohren und verändert die Hörgewohnheiten, so dass man plötzlich „alte“ Musik ganz anders hört.

Ihr Bruder ist 8 Jahre älter und auch ein international renommierter Konzertcellist. Sie haben viele gemeinsame Projekte. Wie war das in Ihrer Jugend, einen 8 Jahre älterer Bruder zu haben mit dem gleichen Berufsziel?
Ich habe neben meinem Bruder noch fünf weitere Geschwister, die allesamt in Kunst, Theater und Musik tätig sind. Als jüngstes Kind war ich seit Anbeginn in einem sehr kreativen und musikalischen Haus aufgewachsen. Mit meinem Bruder verbindet mich, da wir ja beide Cello spielen, seit immer eine künstlerische Freundschaft. Natürlich ist diese gewachsen, denn er war schon im Ausland am studieren, als ich noch in der Musikschule war.

Wann haben Sie sich dafür entschieden, das Cello als Beruf auszuüben?
Das war mir schon als Kind klar, dass ich Cellist werden wollte. Die Wärme des Instrumentes, der tiefe Klang und dann war da die Inspiration durch die vielen Musiker/innen, die in unserem Haus ein- und ausgingen, die vielen Proben, die dort stattfanden und das gesellige Leben dabei.

Was sind Ihre nächsten Projekte?
Die Musikfestwoche ist nach dem Lockdown mein erstes Projekt. Darauf freue ich mich ganz besonders. Einige weitere Projekt im Sommer wurden leider abgesagt. Aber wenn sich alles weiterhin positiv entwickelt, werde ich in Österreich und Italien im Herbst die nächsten Konzerte spielen und Meisterkurse geben.

Welche Leidenschaften haben Sie neben der Musik?
Ich interessiere mich für Philosophie, Physik und Bewusstseinsforschung. Ausserdem bin ich ein leidenschaftlicher Koch, bewege mich gerne in der Natur und als Berner trifft man mich im Sommer oft in der Aare.


Interview von Florian Schär | Classicpoint.net | 1.07.2020

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