Sabine Meyer im Interview

«Es gibt keine zwei gleichen Wege.»
Sabine Meyer gehört heute weltweit zu den renommiertesten Solisten überhaupt. Ihr ist es zu verdanken, dass die Klarinette, früher als Soloinstrument unterschätzt, das Konzertpodium zurückerobert hat. Neben der Tätigkeit als Solistin gehört Sabine Meyers besondere Zuneigung der Kammermusik. 1993 wurde sie als Professorin an die Musikhochschule Lübeck berufen.
Ihr Großvater war Klarinettist, Ihr Vater und auch Ihr Bruder spielen dieses Instrument. Wollten Sie nicht ein anderes Instrument lernen?
Meine Eltern haben uns Kinder nie in eine Richtung gedrängt, aber unsere musikalische Begabung früh erkannt und gefördert. Ich begann mit vier oder fünf Jahren, Klavier zu lernen, dann kam die Geige hinzu und schließlich mit acht Jahren die Klarinette. Obwohl es schnell klar war, dass ich die größte Begabung und auch den größten Spaß am Musizieren mit der Klarinette hatte, habe ich für ca. zehn Jahre alle Instrumente parallel gespielt und daneben auch noch Orgelunterricht genommen.
Neben Ihrem Großvater, Vater und Bruder spielt auch Ihr Ehemann Klarinette. Lernen Ihre beiden Kinder auch bereits dieses Instrument?
Mein Mann und ich haben es nie forciert, dass auch unsere Kinder einen musikalischen Beruf ergreifen. Die beiden machen und hören mit Vergnügen Musik, unsere Tochter hat Fagott gespielt und spielt jetzt Klavier, mein Sohn hatte früher in der Schule eine Rockband, spielt Keyboard und Klavier und schreibt eigene Musik – doch als Studienfächer haben sie Psychologie bzw. Physik gewählt.
Als gefragte Solistin sind Sie seit Jahren immer auf Achse und spielen auf der ganzen Welt Konzerte. Wie lässt sich das mit zwei Kindern unterbringen?
Als die Kinder noch klein waren, habe ich sie nie mit auf Konzertreisen genommen, sondern in der Obhut der Familie gelassen. Mein Mann und ich haben das Familienleben immer zusammen geplant und auch unsere Eltern haben uns viel geholfen. Ich war nie länger als zehn Tage von Zuhause fort und wollte nicht mit Kinderfrau und Kindern unterwegs sein. Wenn die Mutter Stress hat oder sich vor dem Konzert noch mal ausruhen muss, haben die Kinder ja nichts von ihr, sondern nur die Nachteile des Lebens in einem Hotel.
Sie haben mit Ihrem Mann eine systematische Ausbildung entwickelt, welche auf die Verbindung des kraftvollen, reichen Tons der deutschen Klarinette mit der flexiblen Klanggestaltung des französischen Boehm-Systems zielt. Können Sie uns diese näher erklären?
Die meisten Klarinettenlehrer legen ihr Hauptaugenmerk leider nur auf die Fingertechnik. Wir haben dagegen versucht, die Atemtechnik, die Klanggestaltung, die Artikulation und die Intonation genauso systematisch auszubilden. Dafür hat mein Mann ein ausführliches Schulwerk herausgegeben („Clarinet Fundamentals“/ Schott Verlag Mainz), welches die Grundlage unseres Unterrichts bildet.
Das Ziel ist ein körperbestimmtes, gesangliches Spiel, welches die Vorteile beider Klarinettensysteme verbindet.
Sie unterrichten als Dozentin an der Musikhochschule Lübeck und geben auch Meisterkurse. Was ist Ihnen beim Unterrichten wichtig?
Besonders wichtig und auch besonders spannend ist, dass man sehr individuell auf jeden Schüler eingeht. Es gibt keine zwei gleichen Wege und in diesem Sinne ist das Unterrichten eine ganz große Bereicherung in meinem Leben.
Sie setzen sich stark für neue Musik ein und geben immer wieder Werke in Auftrag. Nach welchen Kriterien suchen Sie sich die Komponisten aus?
Es hat zu jeder Zeit, also auch zu Mozarts Zeit, in der Neuen Musik Werke gegeben, die originell und spannend sind, und Werke, die eher nichtssagend mit Floskeln auskommen. In der heutigen Neuen Musik ist es wirklich nicht einfach, den Gehalt eines Werkes oder eines Komponisten zu erkennen, zumal viele Komponisten mit extremsten Anforderungen und Spieltechnik und vielfach auch mit Aktionismus beeindrucken wollen.
Ich mag einerseits keine Musik, bei der ich mein Instrument auseinanderbauen, vier Tonmeister mitbringen und auch noch beim Spielen Rollschuh laufen muss, andererseits aber auch nicht die heute häufige Musik, die sich mit vielen tonalen Anklängen und Effekten dem Publikumsgeschmack anbiedern will. Ich beschäftige mich viel mit aktueller Musik und denke, mit Erfahrung ist es schon möglich, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Sie sind seit vielen Jahren auf allen Konzertbühnen der Welt zu Hause. Gibt es einzelne Konzerte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Es gibt ganz viele Konzerte in jeder Saison, die besonders in Erinnerung bleiben, teilweise – in der Kammermusik – auch in ganz kleinen Städten. Es fällt also schwer, da einzelne herauszuheben. Natürlich waren viele Konzerte mit meinen eigenen Ensembles (Bläserensemble Sabine Meyer und Trio di Clarone) durch das Musizieren mit wirklichen Freunden ganz besonders und sicher auch die Konzerte im Lucerne Festival Orchestra mit Claudio Abbado, der ja dieses sehr persönliche Verhältnis der Musiker untereinander ins Orchestrale gehoben hat. Sehr tiefe Erlebnisse gab es auch in den Konzerten mit Sandor Vegh oder Gidon Kremer und in der Zusammenarbeit mit der Academy of St Martin in the Fields und mit den Wiener Philharmonikern und Christian Thielemann.
Sie züchten auch noch Pferde?
Das Reiten war das Hobby der ganzen Familie. Vor wenigen Jahren hatten wir noch fünf Pferde. Seit die Kinder aus dem Haus sind, hat sich die Zahl natürlich reduziert und gezüchtet wurde auch nicht mehr. Aber die selbstgezogenen Pferde gibt es natürlich noch und sobald es die Zeit erlaubt, verbringe ich die Stunden auf dem Land.
Interview von Florian Schär | Classicpoint.ch | 03.08.2012
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