Paul Meyer im Interview

«Spohr war ein Genie und Star.»
Paul Meyer zählt zu den herausragendsten Klarinettisten weltweit und konzertiert regelmäßig mit den großen Orchestern in Europa, den USA, in Fernost und Australien. In den letzten Jahren hat sich Paul Meyer auch verstärkt einen Namen als Dirigent gemacht, sodass seine Dirigiertätigkeit neben der Klarinette einen gleichwertigen Platz in seinem künstlerischen Schaffen einnimmt.
Classicpoint.ch: Als junger, gefeierter Preisträger verschiedener Wettweberbe sind Sie auf den legendären Benny Goodman getroffen. Inwiefern war Benny Goodman in dieser Phase für Sie wichtig?
Ich war 19 Jahre alt, als ich das Preisträgerkonzert in New York gegeben habe. Damals wusste ich nicht, dass Benny Goodman unter den Zuhörern war. Am nächsten Tag hat er mich angerufen und gesagt, dass ihm das Konzert sehr gut gefallen habe. Er hat mich eingeladen, mit ihm zusammen zu spielen. Ich habe mich dann mit ihm getroffen, und wir haben viel miteinander geredet und gespielt. Das war für mich sehr interessant und lehrreich. Kurz danach hatte ich auch die Möglichkeit, mit anderen grossen Künstlern zusammen zu spielen, wie z.B. mit Jean-Pierre Rampal oder Mstislav Rostropovich.
Luciano Berio, Krysztof Penderecki, Gerd Kuhrs und andere haben für Sie Klarinettenkonzerte komponiert. Hatten Sie bei der Entstehung dieser Werke Einfluss auf die Kompositionen?
Es gibt Komponisten, die schon viel Erfahrung haben mit dem Instrument Klarinette und wissen, wie sie das Instrument optimal einsetzen können. Andere kennen das Instrument noch nicht so gut. Die Komponisten haben aber immer eine Klangvorstellung, die auf den Künstler, dem Sie das Werk widmen, zugeschnitten ist. Bei mir war meist meine Virtuosität ausschlaggebend, sodass die Komponisten sehr virtuose Werke für mich komponiert haben.
Wenn ich die Noten erhalte, muss ich das Werk natürlich zuerst einstudieren. Danach folgt die Phase, in der ein aktiver Austausch mit dem Komponisten stattfindet. Sei es, dass der Komponist das Werk dirigiert oder am Klavier begleitet. In dieser gemeinsamen Einstudierungsphase sind meist noch Anpassungen möglich, bei denen ich als Interpret eingreifen kann und Änderungen vorschlage. Das kann z.B. im Bereich der technischen Spielart oder der Dynamik in Bezug auf die Balance Orchester-Solist sein. In dieser Phase merkt der Komponist auch, wie ein Stück vom Interpret verstanden worden ist und passt teilweise den Notentext und die Anweisungen an, um möglichst genau seine Vorstellungen umgesetzt zu erhalten. Das ist ein sehr interessanter Prozess, den ich sowohl als Dirigent wie als Klarinettist liebe.
Von welchem Komponisten wünschten Sie sich ein weiteres Klarinettenkonzert?
Ich hätte gerne ein Konzert von Henri Dutilleux. Henri Dutilleux wurde in frühen Jahren für ein Klarinettenkonzert angefragt und war damals nicht bereit. Er hatte abgesagt. Als er dann später mich in einem Konzert mit dem Mozart Klarinettenkonzert gehört hat, ist er zu mir gekommen und hat gesagt, dass er sehr gerne für mich ein Konzert komponieren würde aber bereits einem anderen Klarinettisten abgesagt hatte und es deswegen nicht machen könne. Das ist sehr schade, dass es damals nicht geklappt hatte. Es gibt aber viele weitere Projekte, die zurzeit am Laufen sind, und ich freue mich sehr auf die neuen Werke, welche am Entstehen sind.
Mittlerweile dirigieren Sie ebenso viel wie Sie Klarinette spielen. Wie haben Sie mit dem Dirigieren begonnen?
Als Kind schon war ich immer fasziniert vom Dirigieren und habe mir überlegt, welches Tempo ich wählen und welche Stimmen ich wo hervorheben würde. Auch wenn ich Klarinette lernte, wusste ich damals schon, dass ich eines Tages als Dirigent wirken wollte. Ich hatte deswegen auch eine Orchesterstelle angenommen, um das Repertoire und die Sicht des Orchestermusikers kennenzulernen. Mit 22 Jahren habe ich die Stelle beim Orchester der Oper in Paris gekündigt und ergriff die Chance, als Assistent von John Carew zu dirigieren. So hat alles begonnen. Früher war es allerdings noch komplizierter, gleichzeitig eine Solokarriere parallel zur Dirigentenkarriere zu lancieren. Heute gilt dies im Gegenteil bei den Orchesterdirektoren als Vorteil. Auch die Orchestermusiker schätzen meine Erfahrung als Solisten und Orchestermusiker, wenn ich sie dirigiere.
Hat das Dirigieren auch Ihr Klarinettenspiel verändert, und wenn ja, wie?
Ich habe z.B. alle Bläserkonzerte dirigiert. Da lernt man unglaublich viel für sein eigenes Spiel als Solist aber auch in der Kammermusik. Man versteht die Musik mit ihren Formen einfach viel besser.
Wenn Sie als Klarinettensolist mit Orchester auftreten, hat sich die Zusammenarbeit mit den Dirigenten auch verändert, seit Sie selbst dirigieren?
Ja, man versteht besser, was der Dirigent möchte. Heutzutage hat man ja unglaublich wenig Zeit mit einem Orchester bei der Einstudierung. Mit meiner Erfahrung kann ich viel schneller herausspüren, was es braucht und was sich der Dirigent vorstellt.
Sie haben kürzlich sämtliche Klarinettenkonzerte von Spohr aufgenommen. Was fasziniert Sie an diesem Komponisten?
Spohr war der berühmteste Musiker in Europa zu seiner Zeit. Er war ein Genie und ein Star. Ich wollte diese tolle Musik wieder hervorholen. Es ist mir ein Anliegen, dass nicht nur Mendelssohn, Beethoven, Mozart etc. gespielt wird. Für mich war die Arbeit an diesen Werken sehr interessant, und es hat auch sehr viel Spass gemacht.
Haben Sie weitere Projekte vor?
Es gibt diverse Einspielungen z.B. mit Klarinette/Akkordeon oder die ganzen Weber-Konzerte. In Zukunft möchte ich mich gerne mit einem Kammerorchester dem Repertoire der Wiener Klassik widmen und natürlich interessieren mich die Projekte mit zeitgenössischer Musik.
Interview von Florian Schär | Classicpoint.ch | 1.9.2015
Bild Vandoren - Edith Held
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