Erwin Schrott im Interview

«Alle Rollen, die ich singe, sind meine Favoriten.»
Der Bassbariton Erwin Schrott gehört zu den faszinierendsten Sängern unserer Zeit und gilt allgemein als der gegenwärtig beste Interpret der großen Mozart-Partien Don Giovanni, Leporello und Figaro.
Classicpoint.ch: Wie war Ihre Kindheit?
Meine Kindheit war gesegnet und hart zugleich. Gesegnet, weil ich das Glück hatte, so fürsorgliche Eltern zu haben, die mich vorbehaltlos unterstützten. Es war aber auch eine strenge Kindheit, weil es harte Zeiten in Uruguay waren, als ich ein Kind war. Sie können sich vorstellen, dass die Leute während der Diktatur nicht ihr vollständiges Potential ausschöpfen konnten. Meine Eltern und ich aber waren stärker und ich bin so dankbar für alles, was sie für mich getan haben.
Wann haben Sie zum ersten Mal Ihre besondere Stimme wahrgenommen?
Ich kann mich nicht wirklich an einen einzelnen Moment erinnern und denke auch nicht, dass es einen solchen gab, weil ich überzeugt bin, dass die menschliche Stimme ein sich stets entwickelndes Instrument ist. Auch eine besondere Stimme muss gepflegt und aufgebaut werden, damit die Entwicklung in die gewünschte Richtung geht. Was ich weiss, ist, dass ich immer singen wollte. Ich wollte auf der Bühne sein und auftreten. Deshalb habe ich alles diesem Ziel untergeordnet, bis die Zuhörerschaft auf mich aufmerksam geworden ist. Der Moment, wenn die Zuhörer es so fest geniessen, mich anzuhören, wie ich es geniesse, für sie zu singen, ist in der Tat ein sehr spezieller Moment.
Welche ist Ihre Lieblingsrolle?
Da gibt es so viele! Grundsätzlich singe ich keine Rollen, welche ich nicht wirklich liebe. Somit sind alle Rollen, die ich singe meine Favoriten!
Welche Rolle, die nicht zu Ihrer Stimme passt, würden Sie am liebsten singen?
Ah, am liebsten die Königin der Nacht, auf jeden Fall. Krass, zerschmetterndes Glas mit hohen Noten und sie sollte auch funkelnde Kleider tragen und bezaubernde Kopfbedeckungen, das würde mir wirklich passen!
Wenn Sie Ihr Geburtsland Uruguay mit den europäischen Ländern vergleichen, wo sehen Sie den Unterschied im Bezug auf Oper und klassischer Musik im Allgemeinen?
Der Unterschied ist nur, dass es in Uruguay nicht so viele Opernhäuser gibt wie in Europa. Deshalb wäre es unfair, Vergleiche zu ziehen. Es gibt in Uruguay nämlich exzellente Musiker und Leute, welche die Musik genau so lieben wie die Europäer. Es kommt mir überhaupt kein Ort in den Sinn, wo die Leute Musik nicht lieben würden. Das wäre auch unnatürlich, oder nicht?
Sie sind mit Anna Netrebko verheiratet. Singen Sie privat zuhause im Duett?
Nein, da muss ich Sie leider enttäuschen. Obwohl das vermutlich einige Leute glauben, Opernsänger reden nicht in melodramatischen Phrasen, wenn sie von der Bühne gehen, oder sagen wir mal nicht immer. Wenn wir mit anderen Menschen reden, dann machen wir das eigentlich so wie alle anderen Menschen auch.
Wieso gibt es eigentlich so wenige gemeinsame Auftritte?
Weil unsere Kalender bereits in Jahren voraus geplant werden. Sowohl mein Kalender wie auch der meiner Frau ist sehr voll und bietet kaum Platz für Überschneidungen. Es gibt auch andere gute Freunde, mit denen ich gerne zusammen singen würde, weil ich sie als Künstler und Menschen bewundere. Leider aber gibt es nicht immer das geeignete Repertoire. Sänger und Sängerinnen müssen das Repertoire singen, das für ihre Stimmen am besten ist.
Haben Sie ein Ritual vor einem Auftritt?
Ich versuche, nicht viel zu sprechen. Ich gebe mir Mühe, aber das gelingt mir leider meistens nicht…
Wie sieht ein normaler Tag im Leben von Erwin Schrott aus?
Das hängt davon ab, ob es ein Arbeitstag oder ein Familientag ist.
Bei Arbeitstagen reise ich alleine, wache auf und nehme ein kurzes Frühstück, denn ich weiss, dass ich tausend Dinge zu erledigen habe – E-Mails checken, Konzerte organisieren, Veranstaltungen für die Anna and Erwin Foundation vorbereiten, Repertoire einstudieren, meine Stimme trainieren, ins Fitnessstudio gehen, lesen, zu Proben gehen, wenn Probetag ist oder Konzert vorbereiten, wenn am Abend Konzert ist.
An Familientagen möchte ich nur für meine Familie da sein, und das mach ich dann auch, denn die Zeit mit der Familie ist kostbar und ich möchte sie in vollen Zügen geniessen.
Haben Sie Pläne für die Zukunft, die Sie gerne realisieren möchten?
Ach, so viele und so wenig Zeit, aber ich arbeite wirklich sehr hart daran, damit meine Pläne Wirklichkeit werden.
Interview von Florian Schär | Classicpoint.ch | 2.4.2013
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