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Elena Stikhina

Elena Stikhina im aktuellen Interview.

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Markus Stenz im Interview

Markus Stenz

« Musik ist nicht wegzudenken – Lebensenergie pur! »

Intelligente Klarheit und eine tiefgründige und stets neugierige Musikalität zeichnen die Arbeit von Markus Stenz aus. Er dirigierte u.a. die Berliner Philharmoniker, das Gewandhausorchester Leipzig, die Münchner Philharmoniker, das Tonhalle-Orchester Zürich, die Wiener Symphoniker, das Hallé Orchestra Manchester, das BBC Scottish Symphony Orchestra, das NHK Symphony Orchestra, das Orchestre Philharmonique de Radio France, die Staatskapelle und das Konzerthausorchester Berlin, das Orchestre de la Suisse Romande, die Bamberger Symphoniker, die Dresdner Philharmonie, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg sowie die Rundfunkorchester des BR, HR, WDR, NDR und MDR. In den USA arbeitete er unter anderem mit den Sinfonieorchestern von Boston, Chicago, Cincinnati, Los Angeles, Dallas und Houston.

Im folgenden Interview spricht Markus Stenz über seine Beziehung zu Haydn und Mendelssohn, sein Klangideal und seine Visionen.

Classicpoint.net: Welches ist Ihre früheste musikalische Kindheitserinnerung?
Ich liege unter dem Flügel in unserem Wohnzimmer und höre meinem Vater beim Klavierspielen zu. Noch intensiver sind meine Erinnerungen an Kirchenmusik, mein Vater ist Chorleiter und Organist. Meine Mutter ist leidenschaftliche Amateursängerin mit einer herrlich klaren Alt-Stimme, immer noch – mit fast 80!

Wann haben Sie sich entschieden, Dirigent zu werden und warum?
Mein Schlüsselerlebnis waren die im Deutschen Fernsehen ausgestrahlten "Harvard Lectures" – 6 Vorlesungen, die der amerikanische Dirigent und Komponist Leonard Bernstein an der Harvard University gehalten hat. Sie trafen mich als 13-Jährigen mit ungeheurer Wucht und sind in meinen Augen bis heute unübertroffen als Pfad ganz tief in die Geheimnisse der Musik.

Können Sie uns Ihr Klangideal beschreiben?
Grosse Kammermusik – Musik, bei der das Aufeinanderhören zur Freiheit der Phrasierung führt, zu lebendigen Überleitungen, fein empfundener Zartheit und überwältigend auf sich addierenden großen Klängen. Und: PERSÖNLICH muss es sein. Entstanden im Hier und Jetzt.

Welche Visionen haben Sie?
Wenn sich beim Zuhörer das Gefühl einstellt, die Musik entsteht gerade neu, vor seinen Ohren, in diesem Moment, unwiderstehlich, als ob der Komponist sie gerade für diesen Augenblick erfunden hätte – das ist meine Vision für das Konzerterlebnis.

Was kann die Musik Ihrer Meinung nach für die Entwicklung der Menschen heutzutage beitragen?
Musik ist irrational und ist in unserer digitalisierten Welt das perfekte Gegengewicht zur Reduzierung auf Fakten, Faktenlage und Faktenlast. Musik ist unergründlich, nicht digitalisierbar, und gerade deshalb zutiefst menschlich und nicht wegzudenken.

Welche Bedeutung hat Musik in Ihrem privaten Leben?
Nicht wegzudenken, Lebensenergie pur!

Sie dirigieren am 20. Mai 2020 in Klagenfurt die Frühlingssinfonie von Schumann (Nachtrag: findet leider wegen Corona nicht statt). Können Sie uns ein paar Worte zu diesem Werk und Ihren Überlegungen dazu erläutern?
Schumanns Musik ist für mich immer ein Wunder. Sie ist Musik ganz nah an Gefühl und Empfindung. Selbst die sattelfesteste Analyse kann bestimmte Stellen nicht erfassen, die unter die Haut gehen. Der Phantasiereichtum, die Freiheit der melodischen Linien und der Swing in Schumanns Sinfonie sind herausragend. Selten sind das erwachende Frühlingsleben und erwachende Frühlingsgefühle schöner erfasst worden als in dieser Musik.

Im gleichen Konzert werden auch Werke von Haydn und Mendelssohn aufgeführt. Wie ist Ihre Beziehung zu diesen beiden Komponisten?
Haydns Musik ist eine Wundertüte, man weiß nie, welche Idee als nächstes kommt. Sie ist viel unvorhersehbarer als etwa Mozart oder Beethoven. Das spielerische Element in der Musik, alles was beim Ausführenden Musizierfreude auslöst und beim Zuhörer Staunen, findet sich in seiner Musik. Die Musik als Momentkunst. Frech und ungefiltert. Dieses Unmittelbare reizt mich an jeder Haydn-Partitur. Und Mendelssohn ist in formaler Hinsicht das Gegenstück zu Haydn: Anstrengungslos organisch sind alle Übergänge. Die phantasievollen Aufschwünge sind ebenmäßig eingebettet in völlig einleuchtende Gesamtaufbauten. Mich interessiert an unserem Programm gerade dieser Gegensatz: der "wilde" Haydn im Kontrast zum "formschönen" Mendelssohn". Und beide kreativen und sinnlichen Wege führen zur tiefen und seelenvollen Schumann-Musik. Sie merken, ich freue mich auf das Konzert.

Wo liegen Ihre Interessen abseits der Musik?
Familie, Natur, Wandern, Schwimmen, Schach spielen. Übrigens die Seen in Österreich haben es mir besonders angetan. Was gibt es Schöneres im Sommer...


Interview von Florian Schär | Classicpoint.net | 1.04.2020
Fotografie: © Kaupo Kikkas

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