Dekadentes Opferspiel in "Ottone" an Oper Frankfurt
Regisseurin Jetske Mijnssen gelang mit der Rarität "Ottone" am Sonntagabend ein rundweg überzeugendes Debüt an der Oper Frankfurt. Berstend vor barocker Sinnlichkeit, tänzerischer Raffinesse und psychologischer Stimmigkeit stutzte sie die verworrene Handlung von Georg Friedrich Händels Librettisten Nicola Francesco Haym auf ein Sozial-Experiment zusammen. Dabei erweitert sie das im Original angelegte Verwechslungsspiel zwischen Ottone und Adelberto im Machtstreit um die junge Verlobte Teofane zur nächtlichen Charade einer ennuyierten Gesellschaft, die eine üble Maskerade des Ausgrenzens mit der frisch eingetroffenen Braut vollführt. Die wiederum lernt die gesellschaftlichen Spielregeln schnell - und wehrt sich erfolgreich mit denselben Waffen.

"Ottone"
Mijnssen gelingt es vorzüglich, Händels lebhaft auskomponierte Oper - zu Lebzeiten einer seiner größten Erfolge - anhand feinster Personenregie in spannungsgeladene Beziehungsdramen zu übertragen, deren unvorhersehbaren Volten das Publikum gebannt folgt. Ausgestattet mit prachtvollen Kostümen der Entstehungszeit, die ihr langjähriger Bühnen- und Kostümbildner Ben Baur kreiert hat und durch seine lebhafte Palazzo-Drehbühne in Dauerschwingung versetzt, steht ihr eine Sängerriege zur Verfügung, die ihresgleichen sucht: Nicht nur Gaststar Paula Murrihy als intrigante Mutter Adelbertos hat entscheidenden Anteil an der exquisiten Güte dieser Produktion. Auch die prickelnde Wandlungsfähigkeit der Ensemblemitglieder Monika Buczkowska-Ward als Teofane und der Matilda Cecelia Halls sind allein den Besuch des Abends wert.
Das barocke Glück perfekt macht Alte Musik-Spezialist Václav Luks am Dirigentenpult, der das federnd aufspielende Frankfurter Opern- und Museumsorchester auf historischen Instrumenten zu stilistisch vielfältigen Glanzleistungen antreibt. Riesenjubel für alle Beteiligten.
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