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Korngolds Oper "Violanta" feiert Premiere in Berlin

Erstmals hat die Deutsche Oper Berlin Erich Wolfgang Korngolds Opernthriller "Violanta" auf die Bühne gebracht. Die Premiere des rund 70 Minuten langen Einakters wurde am Sonntagabend mit viel Applaus aufgenommen. Für die Inszenierung zeichnete der deutsch-französische Regisseur David Hermann verantwortlich. Am Pult des Opernorchesters stand der scheidende Generalmusikdirektor Donald Runnicles.

"Violanta"

Korngold verlegt die Handlung in das Venedig der Renaissancezeit. Violanta, Ehefrau eines hohen Offiziers der Republik, will sich an dem Prinzen Alfonso rächen. Der Sohn des Königs von Neapel hatte ihre Schwester Nerina verführt, die daraufhin aus Verzweiflung Selbstmord beging. Auf einem Karnevalsfest macht Violanta ihrem Erzfeind schöne Augen, um ihn dann in die Falle zu locken. Bei ihrem Mann, dem Hauptmann Simone Trovai, weckt sie so viel Eifersucht, dass dieser bereit ist, den vermeintlichen Rivalen zu töten. Doch es kommt anders: Violanta entbrennt in Leidenschaft für Alfonso und opfert sich am Ende für ihn.

Das Stück spielt im düsteren Haus des Hauptmanns, das wie ein Bunker von der Außenwelt abgeschottet ist. Das rauschhafte Karnevalstreiben dringt nicht bis hierhin vor. Die raffiniert ausgeleuchtete Bühne wird von geometrischen Ellipsen-Formen dominiert. Um den unkontrollierten Ausbruch von Violantas Gefühlen plastisch darzustellen, haben Hermann und der Bühnenbildner Jo Schramm eine riesige Spirale entworfen, die sich langsam nach oben windet.

Der amerikanischen Sopranistin Laura Wilde gelingt es, den seelischen Aufruhr der Titelfigur mit großer Intensität auszudrücken. Der isländische Bariton Olafur Sigurdarson verkörpert stimmgewaltig ihren Gatten, der lettische Tenor Mihails ?u?pajevs brilliert als Königssohn Alfonso. Der koreanische Tenor Kangyoon Shine Lee singt die Partie des Malers Giovanni Bracca, die armenische Sopranistin Lilit Davtyan tritt als Kammerzofe Bice auf. Auch Tänzerinnen und Tänzer des Opernballetts sind an der Aufführung beteiligt und agieren bereits zu Anfang als Karnevalsfiguren mit hohen, spitzen Hüten.

Als "Prolog" stellt der Regisseur dem kurzen, klangintensiven Einakter zwei Instrumentalwerke voran: das intime Lautenstück "A Fancy P5" von John Dowland und den ersten Satz "Präludium" aus Alban Bergs "Drei Orchesterstücke" op. 6.

"Violanta", die zweite Oper Korngolds, wurde im März 1916 unter Leitung von Bruno Walter im Hoftheater München uraufgeführt. Der Komponist, der später vor allem durch seine Filmmusik bekannt wurde, war zu dem Zeitpunkt erst 18 Jahre alt. Seine Oper "Das Wunder der Heliane", die erstmals 1927 in Hamburg zu sehen war, wurde vor einigen Jahren an der Deutschen Oper in der Regie von Christof Loy als bedeutende Wiederentdeckung gefeiert.

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