Verein: Viele Musikerstellen in Orchestern unbesetzt
Die Zahl der Musikerstellen in den 129 deutschen Berufsorchestern ist in den vergangenen beiden Jahren um 33 auf 9.748 zurückgegangen. Aktuell besetzt seien aber nur 9.292 Planstellen, teilte die Musik- und Orchestervereinigung Unisono am Dienstag in Berlin mit. "Insgesamt sind 456 auf dem Papier vorhandene Arbeitsplätze und damit fast jede 20. Planstelle vakant", sagte Co-Geschäftsführer Robin von Olshausen.

Julia Hofmann und Robin von Olshausen
Die Ursachen seien vielfältig, erklärte er. Fachkräftemangel, regionale Standortnachteile und mitunter lange Einstellungsverfahren erschwerten die Besetzung. Besonders hohe Vakanzquoten hätten etwa das Philharmonische Orchester Erfurt (21 Prozent), das Orchester der Komischen Oper Berlin (18 Prozent) und das Gürzenich-Orchester Köln (14 Prozent).
Wo Unterbesetzung über längere Zeiträume hingenommen werde, entstehe der Eindruck eines stillen Personalabbaus, fügte Co-Geschäftsführerin Julia Hofmann hinzu. "Dieser erfolgt ohne transparenten politischen Beschluss und auf Kosten der Beschäftigten, die steigenden Arbeitsbelastungen und Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind", sagte sie. Viele Orchesterträger könnten aktiv nur gegensteuern, wenn ihnen dauerhaft mehr Geld zur Verfügung stünde. Für die Mehrzahl der kommunalen Orchester bedeute das, dass die Kommunen eine bessere Finanzausstattung brauchen. "Um die Finanzierung von Kultur und damit auch von Berufsorchestern langfristig zu sichern, müssen wir neue Wege beschreiten", betonte Hofmann. "Deshalb unterstützt Unisono die immer dringlicher werdenden Forderungen, die Kulturhaushalte von Kommunen und Ländern aufzustocken."
Besonders große Sorgen machten der Unisono die Rundfunkorchester, -chöre und -bigbands. Diese seien zunehmend von den Unsicherheiten der Finanzierung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk betroffen. Unter anderem gibt es Überlegungen, die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern zu einem Kammerorchester zu verkleinern.
Die Vereinigung Unisono vertritt eigenen Angaben zufolge die Interessen von rund 12.800 Mitgliedern in Berufsorchestern und Rundfunkchören sowie von Freischaffenden, Studenten und Lehrbeauftragten an Musikhochschulen. Der Organisationsgrad in den Klangkörpern liege im Schnitt bei über 90 Prozent.
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