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Jubel für Janáčeks Oper "Das schlaue Füchslein" in Berlin

Leo? Janá?eks abgründige Fabel "Das schlaue Füchslein" hat am Samstag an der Berliner Staatsoper eine umjubelte Premiere gefeiert. Regie führte der Amerikaner Ted Huffman, der erstmals mit dem Haus Unter den Linden zusammenarbeitet. Am Pult stand der britische Dirigent und Janá?ek-Kenner Sir Simon Rattle. Nach der etwa 100-minütigen Aufführung, die ohne Pause stattfand, spendete das Publikum stürmischen Beifall.

"Das schlaue Füchslein"

In Janá?eks skurriler Oper, die 1924 in Brünn (Brno) uraufgeführt wurde, sind die Schicksale von Menschen und Tieren eng miteinander verflochten. Die Sopranistin Vera-Lotte Boecker zeigte sich stimmgewaltig und mit viel Elan in ihrem Rollendebüt als Füchsin Schlaukopf, die aus der Gefangenschaft auf dem Hof des Försters (großartig: Svatopluk Sem) in den Wald fliehen kann. Nach etlichen Turbulenzen trifft sie dort einen gutaussehenden Fuchs und heiratet ihn. In dieser Rolle überzeugte die ausdrucksstarke Mezzosopranistin Magdalena Ko?ená, die ohnehin als Expertin für tschechisches Repertoire gilt. Viele Mitwirkende sind in diesem Stück in Doppelrollen zu erleben, etwa die Mezzosopranistin Natalia Skrycka als Försterin und Eule oder der Bassbariton David O?trek als Pfarrer und Dachs.

Das abwechslungsreiche Bühnenbild von Nadja Sofie Eller und die farbenfrohen Kostüme von Astrid Klein spiegelten die quirlige Handlung perfekt wider. Für einen der Höhepunkte des Abends sorgten auch junge Schüler einer Berliner Zirkusschule, die verschiedene Tiere verkörperten und atemberaubende akrobatische Kunststücke vollführten.

Unter Leitung von Rattle bot die Staatskapelle eine sinnliche, energiegeladene Interpretation der farbenreichen Partitur. Der Dirigent, der regelmäßig am Haus Unter den Linden gastiert, blickt auf eine lange Erfahrung mit dem Werk Janá?eks zurück. "Das schlaue Füchslein" dirigierte er erstmals 1977 beim Glyndebourne Festival in England.

Der amerikanische Regisseur Ted Huffman, seit Anfang dieses Jahres Intendant des Festivals d?Aix-en-Provence, ließ sich unter anderem dadurch anregen, dass das Libretto auf einem tschechischen Comicstrip nach der Novelle von Rudolf T?snohlídek basierte. "Die Welt der Tiere sehe ich hier als starke Metapher für die Kindheit", sagte Huffman vorab in einem Interview des Berliner "Tagesspiegel". "Letztlich handelt die Oper aber vom Überschreiten der Grenze zwischen Kindheit und Erwachsenendasein. Janá?ek zeigt uns nicht nur einen heiteren Zustand der Unschuld, sondern auch die dunklen Seiten unserer Gesellschaft."

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