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"La Juive" an der Oper Frankfurt packend inszeniert

Tatjana Gürbacas psychologisch ausgefeilter Zugriff auf Fromental Halévys politisch brisante Grand opéra "La Juive" fand am Sonntagabend im Frankfurter Opernhaus lebhafte Zustimmung, provozierte aber auch einige kräftige Buhs. Dabei gelang es der Berliner Regisseurin meisterlich, den unerbittlichen Sog der ebenso komplex wie modern angelegten Hauptfiguren in eine kollektive Gewaltspirale hinein nachvollziehbar herauszuarbeiten. Seit dem Verbot der Nazis nicht mehr in Frankfurt am Main gespielt, kann sich Bernd Loebes Haus jetzt mit einer packend inszenierten Wiederentdeckung von "La Juive" schmücken, die einst eine der beliebtesten Opern des 19. Jahrhunderts war.

"La Juive"

"La Juive"

Enge, Überbelegung und Ausweglosigkeit während des Konstanzer Konzils 1414 spiegeln sich in Klaus Grünbergs albtraumhaften, babylonischen Turmgerüst wider, das keine Intimsphäre zulässt. In dieser qualvollen Engführung inszeniert Gürbaca nicht nur die vielen Lynchmob-Szenen des viel geforderten, exzellenten Chores mit exquisiter Könnerschaft, sondern auch die multiplen persönlichen Krisen.

Allen voran macht das einstige Ensemblemitglied Ambur Braid ihre Rachel zu einer heutigen Frau von Fleisch und Blut, die sich auch handgreiflich gegen die Untreue und die Lügen Léopolds zu wehren versteht und am Ende voller Überzeugung in den Flammentod geht. Tenor John Osborn als ihr jüdischer Vater Éléazar mit der brisantesten Rolle betraut, da sie in ihrer vermeintlichen Rachsüchtigkeit leicht in die Shylock-Schublade geraten kann, riss das Haus zu langem Szenenapplaus hin, als er die tiefe Liebe zu seiner angenommen Tochter Rachel bekundete.

Monika Buczkowska überdrehte ihre Eudoxie raffiniert bis zur Figurine einer Opera Comique, ebenso wie Gerard Schneider, der seinem sinnlichen Léopold bisweilen die Züge eines Operettenkönigs verlieh. Neben den von Tilman Michael überragend disponierten Christen und Juden-Chören galt besonderes Lob Gastdirigent Henrik Nánási, der dreieinhalb Stunden lang Höchstspannung garantierte: Sowohl die lyrischen Ariosi der Belcanto-Linien als auch die dramatischen Zuspitzungen der unzähligen Chortableaus stattete er mit immer neuer, überaus reicher Farbpalette aus.

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