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"Filmische Oper" von Dalbavie in Berlin uraufgeführt

Während auf der Bühne ein Mann sein Klavier stimmt, läuft im Hintergrund ein Film ab, der Beklommenheit auslöst. Eine Frau flieht vor den aufdringlichen Blicken eines Mitreisenden aus einem überfüllten Zugabteil. Die irritierende Begegnung weckt in ihr die böse Vorahnung einer Katastrophe, die bald sie und ihre ganze Stadt bedrohen wird. So beginnt die neue Oper "Melancholie des Widerstands" des französischen Komponisten Marc-André Dalbavie, der das Ausdrucksspektrum des Musiktheaters durch das Medium Film erweitert.

"Melancholie des Widerstands"

"Melancholie des Widerstands"

Das Publikum in der Berliner Staatsoper Unter den Linden begrüßte die Uraufführung am Sonntagabend mit enthusiastischem Applaus. Die Inszenierung des Auftragswerks der Staatsoper, das den Untertitel "Eine filmische Oper" trägt, stammt von dem ungarischen Regisseur David Marton, der hier eng mit dem amerikanischen Videokünstler Chris Kondek zusammengearbeitet hat. Das Libretto schrieb der Literaturwissenschaftler, Lyriker und Übersetzer Guillaume Métayer gemeinsam mit Marton auf der Grundlage eines Romans des bekannten ungarischen Schriftstellers László Krasznahorkai. Am Pult der Staatskapelle stand die Französin Marie Jacquot, die mit der Spielzeit 2026/27 Chefdirigentin des WDR Sinfonieorchesters wird.

Die Sopranistin Sandrine Piau beeindruckt in der Rolle der verwitweten Hausfrau Rosi Pflaum, die sich nach dem traumatischen Reiseerlebnis in ihre mit Kitsch überladene Wohnung zurückzieht, um Schutz vor der feindlichen Außenwelt zu finden. Ihr kindlich-naiver Sohn Valouchka, verkörpert von dem weltbekannten Countertenor Philippe Jaroussky, nimmt als Postbote eine Mittlerrolle ein. Die Rolle des ehemaligen Musikschuldirektors Georges Esther, der sich auf die einsame Suche nach seinem Klangideal begibt, singt der Tenor Matthias Klink. Als seine Noch-Ehefrau Angèle, die laut zur Ordnung ruft und sich schließlich auf die Seite faschistoider Umstürzler schlägt, brilliert die Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner. Anders als die kalt berechnende Angèle Esther wird Rosi Pflaum die Welle der Gewalt nicht überleben.

Dalbavie ließ sich bei dieser Oper von der Musik des französischen Impressionismus, insbesondere von Claude Debussys Oper "Pelléas et Mélisande", inspirieren. Neben Anleihen aus der Barockmusik arbeitete er auch spezielle Klangeffekte ein, die an den Surround-Sound im Kino erinnern. Das Orchester tritt nur stellenweise in den Vordergrund. Dominierend bleibt der Sprechgesang der Protagonisten, der sich mit den suggestiven Filmaufnahmen verbindet. Die auf die Bühne projizierten Bilder werden bei jeder Aufführung live hinter den Kulissen gefilmt. Im Laufe der Vorstellung wird mehrmals die Leinwand hochgefahren, so dass die Zuschauer auch die Abläufe im Hintergrund im Blick haben. Das Auge der Kamera wird quasi zum Beobachter des Geschehens, die bewegten Bilder sind hier integraler Bestandteil von Martons Opernkonzept.

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