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Adams-Oper "Nixon in China" erstmals szenisch in Berlin

Von einer wildgewordenen Fan-Horde bedrängt, flieht der taiwanesische Tenor Ya-Chung Huang alias Mao Tse-tung verzweifelt aus dem Opernfoyer in Richtung Bühne. Der riesige Propagandaapparat des kommunistischen Chinas wird kurz darauf in überlebensgroßen Videobildern eingeblendet, während die politische Führung mit viel Brimborium illustre Staatsgäste empfängt.

"Nixon in China"

"Nixon in China"

Richard Nixons Reise nach Peking 1972 inspirierte den amerikanischen Komponisten John Adams rund 15 Jahre später zu seiner Oper "Nixon in China". Als witziges Pop-Spektakel wurde das Stück bei der Premiere am Samstagabend in der Deutschen Oper Berlin stürmisch vom Publikum gefeiert. Für die kunterbunte, bildmächtige Inszenierung zeichnete das Musiktheaterkollektiv Hauen und Stechen verantwortlich.

Die Regisseurinnen Franziska Kronfoth und Julia Lwowski spiegelten den Medienrummel um die erste Visite eines US-Präsidenten in der Volksrepublik in einfallsreichen Videosequenzen, die originales Archivmaterial mit aktuellen Blicken hinter die Opernkulissen kombinierten.

Adams und seine Librettistin Alice Goodman karikierten in dem Stück alte Heldenmythen. Auf den medialen Hype um ein Ereignis, das seinerzeit mit der ersten bemannten Mondlandung verglichen wurde, reagierten sie mit beißender Ironie. In der neuen Inszenierung von Hauen und Stechen führt das Spiel mit weiteren Realitätsebenen dazu, dass die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge endgültig verschwimmen.

Die musikalische Leitung des Abends hatte Daniel Carter, Generalmusikdirektor des Landestheaters Coburg. Neben dem stimmgewaltigen Ya-Chung Huang als Mao überzeugten der Bariton Thomas Lehman in der Rolle von Nixon und die Sopranistin Heidi Stober als seine Frau Pat. Für den Part von Kissinger erhielt der vielseitige Bass-Bariton Seth Carico großen Applaus. Als Maos Frau Chiang Ch'ing beeindruckte die aus Südkorea stammende Koloratursopranistin Hye-Young Moon.

Adams' Oper wurde 1987 an der Houston Grand Opera uraufgeführt. In Berlin wurde das Stück jetzt erstmals in szenischer Form prãsentiert. 2012 war "Nixon in China" beim Musikfest Berlin bereits in konzertanter Form mit dem BBC Symphony Orchestra unter Leitung des Komponisten zu erleben.

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