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Wo gehest Du hin

 Wo gehest Du hin

 

 BWV 166 zum Sonntag Kantate

 

Als Fokus des Monats Mai präsentieren wir Ihnen die Kantate BWV 166 «Wo gehest Du hin».

«Wo gehest du hin?» – Die am 7. Mai 1724 erstaufgeführte Kantate BWV 166 beginnt mit einem aus nur vier Worten bestehenden Bibelspruch, der zugleich lapidar wie rätselhaft ist und kompositorisch schwer umzusetzen war.

Bach erschafft in seinem Eingangssatz eine von abgerissenen Gesten und kurzatmigen Dreitaktperioden geprägte Umsetzung, die ein Bild der fragenden Ziellosigkeit evoziert, das dennoch edle und ernsthafte Züge trägt. Hier wird niemand beiläufig nach dem Weg gefragt, sondern in väterlich-gewichtiger Weise zur Rede gestellt.
Die hinter dieser klingenden Deutung stehende Idee wird erst in der folgenden Arie enthüllt, deutet doch der Textdichter die eigentlich an den gen Himmel auffahrenden Jesus zu richtende, von den Jüngern jedoch gar nicht gestellte Frage «Wo gehest du hin?» in eine Entscheidungssituation um, der sich der irdische Mensch moralisch und heilsgeschichtlich stellen muss und die er mit der entschiedenen Verwahrung beantwortet: «Ich will an den Himmel denken und der Welt mein Herz nicht schenken.» Die so entstandene Doppelform hält der Orientierungslosigkeit des ersten Satzes die konzentrierte Innerlichkeit der himmelsgerichteten Arie entgegen, was der zunächst unbestimmten Wendung «Wo gehest du hin?» eine sorgende und konkrete Bedeutung verleiht. Da die erhaltene Stimme Violino II der Kantate nur die zur Tutti-Verstärkung bestimmte Dublette der eigentlichen Solostimme darstellt, fehlt die für die vollständige Realisierung des Satzes notwendige Partie der zweiten Violine. Doch lässt sich dieser Mangel zumindest für den A-Teil der Arie durch das 1842 posthum gedruckte Orgeltrio BWV 584 beheben, das ein vielleicht in Bachs Schülerkreis entstandenes Arrangement einer früheren Fassung der Arie darstellt und beide Obligatstimmen zuverlässig wiedergibt. Sowohl der durchlässig-konzentrierte Tonfall der Musik als auch der sensibel der Intention des Menschen nachspürende Text dieser komponierten «Gretchenfrage» deuten stark auf eine Weimarer Entstehung, zumal das Kantatenlibretto von Bachs dortigem Dichterpartner Salomo Franck stammt.
Die folgende Liedstrophe ist für Sopran, Unisono-Streicher und Basso continuo gearbeitet und entspricht dabei dem Typus der später zu Orgelsätzen umgearbeiteten «Schübler-Choräle». Der dem Busslied «Herr Jesu Christ, ich weiß gar wohl» entnommene Text («Ich bitte dich, Herr Jesu Christ») verweist in Bachs strengem motivischem Korsett auf die Notwendigkeit einer lebenslangen Einübung in die von der vorangehenden Arie verkörperte Weltabwendung. Darauf folgt ein kurzes, jedoch sehr bildhaftes Rezitativ, das das «Verfließen der Regenwasser» und das «Verschießen (= Ausbleichen) der Farben» als Chiffren der Vergänglichkeit und Unbeständigkeit des menschlichen Daseins mobilisiert.
Wer daraufhin eine energische Kräftigungsmusik erwarten würde, liegt falsch. Vielmehr hat Bach mit den gleissenden falschen Gesten der Altarie und im Gestus eines höfischen Menuetts das Vertrauen auf das flüchtig hohnlachende Glücke in einer Weise karikiert, die ebenso drastisch ist, wie sie in der trockenen Rechthaberei der Solopartie mit der Vergeblichkeit aller von aussen kommenden Ermahnung rechnet. Die fallenden Orchestergirlanden des Mittelteils mahnen jedoch zu Eile und Umkehr: Es kann zwischen Morgen und Abend ganz schnell hinab zur Hölle gehen…
Dieser ernsten Wendung schliesst sich der Schlusschoral als veritables Memento Mori an. «Wer weiß, wie nahe mir mein Ende»: Es braucht nicht mehr als die eindringlichen Worte aus Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadts Lied, um die wahre Dimension der Endlichkeit klarzustellen und der einleitenden Frage «Wo gehest du hin?» beklemmenden Nachdruck zu verleihen.

In der Werkeinführung erhalten Sie in Begleitung von Pfarrer Karl Graf sowie von Dirigent Rudolf Lutz wertvolle, vertiefende Einblicke in die Komposition. In den Reflexionen betrachten Persönlichkeiten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen die barocken Kantaten und ihre Texte aus heutiger und persönlicher Sicht. Hören, sehen und lesen Sie vorliegend zu BWV 166 die Meinung aus Sicht von Katharina Hoby Peter.
Die Werkeinführung sowie das Konzert und die Reflexion durfte die J. S. Bach-Stiftung in der evang. Kirche in Trogen am 18. April 2008 zur Aufführung bringen.

Wir wünschen Ihnen viel Hör-, Seh- und Lesegenuss.

 

 

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